Dachfenster einbauen

Mit dem nachträglichen Einbau eines Dachfensters holen Sie sich ein kleines Stück vom Himmel in Ihr Haus.

Der Speicher soll zum behaglichen Wohnraum umfunktioniert werden? Für Ihr neues Hobby Astronomie benötigen Sie eine Luke für das Teleskop? Mit dem nachträglichen Einbau eines Dachfensters holen Sie sich ein kleines Stück vom Himmel in Ihr Haus.

Handwerklich betrachtet erfordert der Einbau schon etwas Geschick und Erfahrung in Sachen Holzarbeiten und Zimmermann- sowie Dachdeckertätigkeiten. Noch wichtiger ist jedoch, dass Sie dabei höchste Sorgfalt und Genauigkeit walten lassen. Sonst drohen nämlich auf Dauer Schäden an Bausubstanz und Dachkonstruktion.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass ein in die Dachfläche eingelassenes Fenster (Fachbegriff: Dachflächenfenster) jedem Wetter rund um die Uhr trotzen muss. Es darf zudem weder die Statik der Dachkonstruktion noch die Funktionen eines Daches beeinträchtigen – wie Schutz vor Schnee, Hagel und Regen, Wärmedämmung im Winter sowie Kühlung im Sommer.
Dies setzt jedoch angesichts der vielfältigen Typen, Größen und Funktionsweisen eine gründliche Planung voraus. Gegebenenfalls wird auch eine Anfrage bei einem Statiker fällig, sofern Sie eine besonders große Dachfenster-Konstruktion planen.

1. DACHFENSTERAUSWAHL

Bei der Wahl des Dachfensters kommt es vornehmlich darauf an, wie Sie den Speicherraum nutzen wollen.

FENSTERTYPEN

Praktisch und daher häufig verwendet sind Schwingfenster, deren Öffnungsriegel sich am oberen Fensterrahmen befindet. Dadurch können Möbel problemlos auch unter dem Fenster aufgestellt werden.

Klapp-Schwingfenster werden unten geöffnet und bieten einen besonders großen Öffnungswinkel für einen extra tollen Ausblick.

Beide Typen sind als Holz- oder Kunststofffenster in verschiedenen Größen erhältlich.
Ausstiegsfenster zum Aufklappen in Richtung Dachaußenseite dienen vor allem der praktischen Erreichbarkeit des Daches für Schornsteinfeger und Dachdecker. Auch sie sind sowohl mit wärmedämmenden Eigenschaften als auch ohne zusätzliche Funktionalität verfügbar.
Einfache Kaltraumfenster und Dachluken eignen sich nur für nicht beheizte Dachräume.
Als Luxus-Variante für große, lichtdurchflutete Dachstudios empfehlen sich Dach-Schiebefenster mit Überkopfverglasung. Diese exklusive Lösung sollte bei einem nachträglichen Einbau auf jeden Fall von einem Statiker geprüft werden.
Übrigens: Für Wohnraum oder Büro achten Sie bei jedem Fenstertyp unbedingt auf eine isolierende Doppelverglasung.

TIPP 1: PRAKTISCHE HILFEN

Dachfenster haben die unangenehme Eigenschaft, immer genau dann aufzustehen, wenn es regnet und Sie gerade nicht zu Hause sind.
Gegen diese und andere Übel helfen praktische Zusatztechniken.
Elektrische Öffner erleichtern bei größeren Schwing- und Schiebefenstern das Öffnen durch einen einfachen Knopfdruck.
Optimal sind zusätzliche Sensoren, die Regen und Wind registrieren und danach das Öffnen und Schließen des Fensters automatisch und sicher steuern.
Die Montage dieser Technik ist jedoch definitiv eine Sache für den Fachmann wie Dachdecker oder Elektriker. Sie kann sich aber bei regelmäßig bewohnten, mit teuren Gegenständen gefüllten Räumen sehr schnell finanziell lohnen.

SONNENSCHUTZ

Dachräume heizen sich im Sommer trotz guter Abdämmung gerne mal unangenehm auf. Kann dann die Sonne zusätzlich noch ungehindert durch ein oder mehrere Dachfenster dringen, wird es schnell wirklich unangenehm heiß.
Denken Sie daher bei Ihrer Wahl daran, entweder Dachflächenfenster mit einer speziellen Folienbeschichtung einzubauen, die das Sonnenlicht absorbiert oder reflektiert.
Oder aber Sie entscheiden sich beim Einbau gleich auch für ein Dachfenster-Rollladensystem, das im gleichen Arbeitsgang außen auf die Fensterkonstruktion angebracht wird.
Eine nachträgliche Montage ist natürlich ebenfalls möglich. Empfehlenswert ist die Entscheidung für ein Rollladensystem vom gleichen Hersteller wie Ihr Dachfenster, sodass Maße und Befestigungskonzepte perfekt aufeinander abgestimmt sind.

2. DACHFLÄCHENFENSTER EINBAUEN

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Zollstock
  • Wasserwaage
  • Bleistift
  • Holzsäge/Stichsäge
  • Kreuzschraubendreher/Akkuschrauber
  • Cuttermesser
  • Hammer
  • Dachfenster
  • Holzschrauben
  • Nägel
  • stabile Dachlatten
  • Unterdachschürze
  • Eindeckrahmen
  • ggf. Winkeleisen in L-Form

Zudem: einen freundlichen und unbedingt schwindelfreien Helfer

Bevor Sie die Aussicht durch Ihr neues Dachfenster genießen können, muss zunächst ein Loch ins Dach. Beginnen Sie mit diesen Arbeiten aber immer erst, wenn Sie das Fenster bereits gekauft und bereitgestellt haben.
So können Sie den Einbau gleich anschließen und verhindern das Eindringen von Regen etc. Wie überhaupt Arbeiten am Dachfenster besser in der warmen und trockenen Jahreszeit erfolgen sollten.

FENSTERÖFFNUNG VORBEREITEN

Bei einem komplett neuen Dachausbau sind die Fensterarbeiten in jedem Fall ganz weit vorne einzuplanen. Dann kommen Sie noch problemlos an Dachsparren bzw. Pfetten und Dachlatten heran und müssen nicht die neue Dämmung wieder aufreißen.
Falls dies nicht möglich ist, wird an der festgelegten Stelle für das Dachfenster die gespannte Folie (Fachbegriff: Unterspannbahn) in X-Form eingeschnitten, beiseitegeklappt und das dahinter liegende Dämmmaterial entfernt. Nicht entsorgen: Wird später noch benötigt.

SCHRITT 1:

Legen Sie zunächst die Position des Dachfensters fest. Als Einbauhöhe für die optimale Aussicht – auch im Sitzen – empfehlen sich je nach Neigungswinkel des Daches folgende Eckdaten: Höhe Fensteroberkante über dem Fußboden zwischen 190 und 220 cm, Höhe Fensterunterkante über dem Boden zwischen 90 und 110 cm.

SCHRITT 2:

Nach dem Markieren der Öffnung zum Beispiel mit Klebeband werden die Dachziegel entfernt – jeweils rundherum eine Reihe mehr als die finale Dachöffnung. Dann sägen Sie die Dachlatten adäquat zur Fenstergröße heraus.

SCHRITT 3:

Über das Fensterloch wird nun ein Rahmen aus Dachlatten angebracht, an den später der Blendrahmen montiert wird. Dazu sägen Sie Dachlatten entsprechend der Montageanleitung des Herstellers zu: Längsmaße und Quermaße des Blendrahmens plus den jeweils vorgeschriebenen Überstand. Dieser ist wichtig, um die Konstruktion an den verbliebenen Original Dachlatten und -Sparren Ihrer Dachkonstruktion befestigen zu können.

Fixieren Sie die Latten dann mit Winkeln und Schrauben an den verbliebenen Dachlatten Ihres Dachausbaus. Die Querlatten werden von der Außenseite montiert, die Längslatten von innen darunter. Dabei müssen die Latten rundherum ca. 2-3 cm weiter gesetzt werden als die Maße des Blendrahmens. Achten Sie auf eine exakt waagerechte bzw. senkrechte Montage (Wasserwaage!)

DACHFENSTER EINBAUEN

SCHRITT 1:

Hängen Sie zunächst den Fensterflügel gemäß Herstellerangaben aus und entfernen Sie die Transportsicherung. Anschließend werden bei den meisten Fabrikaten die Montagewinkel direkt am Blendrahmen angeschraubt. Wo genau, entnehmen Sie bitte der jeweiligen Montageanleitung.

SCHRITT 2:

Nun wird der Blendrahmen mithilfe der Winkel an Ihrer Dachlattenkonstruktion befestigt. Lassen Sie zwischen Blendrahmen und Lattenaufbau 2-3 cm Luft. Beginnen Sie an der Fensterunterseite und fixieren Sie die oberen Montagewinkel zum Schluss.

SCHRITT 3:

Nun können Sie den Fensterflügel wieder in den Blendrahmen einhängen und auf seine gewünschte Funktionalität überprüfen. Anschließend werden die Zwischenräume zwischen Rahmen, Dachlatten und Dachsparren von innen wieder mit Dämmmaterial gefüllt, die Unterspannfolie darübergezogen und diese dicht am Blendrahmen fixiert.

TIPP 2: EINBAU-TRICKS

Ihr Fenster passt genau zwischen zwei Dachsparren? Perfekt!
Ist es deutlich kleiner oder größer, ist das auch kein Problem. Hier können Sie sich mit einer zusätzlichen Sparrenkonstruktion behelfen.

Fenster kleiner als Sparrenabstand:
Mit Wasserwaage, Winkel und Schrauben werden passend zur Fenstergröße zwei zugesägte Sparren waagerecht / quer zwischen die Dachsparren montiert (Fachbegriff: Querwechsel).
Senkrecht dazwischen bildet ein dritter Sparren die linke bzw. rechte, vertikale Fensterbegrenzung

Fenster größer als Sparrenabstand:
Der mittlere Sparren muss der Fenstergröße entsprechend durchgesägt werden.
Zwischen Sparren 1 und 3 wird dann die gleiche Rahmenkonstruktion wie oben hergestellt.

Achtung: Diese Arbeit kann die Dachstatik gefährden – besser von einem Fachmann (Zimmermann) durchführen lassen!

UNTERDACH BEFESTIGEN

Das Unterdach ist eine vorgeschriebene Abdichtung des Dachinnenraums gegen Regen, Schnee, Wind etc. Sie wird von außen rund um das Fenster angebracht. Es besteht z.B. aus flexiblen Kunststoff- oder Bitumenbahnen und wird auf der Holzschalung befestigt. Darüber werden anschließend die Dachziegel gelegt. An der Fensteroberseite ergänzt eine mit Klemmschienen fixierte Rinne zur Wasserableitung das Unterdach.

Zur dichten Anpassung an das Fenster und die Dachlattenkonstruktion werden die Bahnen von unten nach oben überlappend ausgelegt, mit dem Cuttermesser passgenau zugeschnitten und mit Dachpappennägeln oder einem Tacker an Blendrahmen und Dachlatten befestigt.

EINDECKRAHMEN ANBRINGEN

Nach der Abdichtung zur Dachinnenseite durch das Unterdach ist nun noch der Übergang zwischen Fenster bzw. Blendrahmen und Bedachung abzudichten.
Hierzu werden Eindeckrahmen aus Blech verwendet. Sie leiten das von oben über die Dachziegel herabfließende Wasser am Fenster vorbei und verhindern zudem das Eindringen von Staub und Schmutz.

Bei manchen Herstellern ist der Eindeckrahmen bereits ein fest am Fenster-Blendrahmen montierter Bestandteil der Fensterkonstruktion.
Empfehlenswerter sind jedoch separate Eindeckrahmen, die Sie farblich auf Ihre Dachziegel angepasst aussuchen können. Sie sind für Einzel-, Zwillings- oder auch Kombifenster erhältlich.

SCHRITT 1:

Wie immer zunächst den Fensterflügel aushängen, um Beschädigungen zu vermeiden. Dann können Sie an der Fensterunterseite das biegbare Solbankblech am Blendrahmen anschrauben und passgenau auf die unten angrenzende Dachziegelreihe auflegen.
Anschließend das untere Querstück und die seitlichen Bestandteile am Blendrahmen fixieren (Montageanleitung befolgen), Abdeckbleche aufschieben und verschrauben.

SCHRITT 2:

Führen Sie nun das Oberteil des Eindeckrahmens in die Seitenteile und befestigen Sie es gemäß Herstelleranleitung. Nun noch die entnommenen Dachziegel wieder bis an den Fensterrahmen decken, Fensterflügel einhängen – und fertig ist der Eigeneinbau Ihres Dachflächenfensters.

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