Gehölzschnitt

Regelmäßiges Zuschneiden fördert das Wachstum, stärkt die Gesundheit und verhilft Ihren Bäumen und Sträuchern schneller zu dem gewünschten Aussehen.

1. ZIERGEHÖLZE

Regelmäßiges Zuschneiden fördert das Wachstum, stärkt die Gesundheit und verhilft Ihren Bäumen und Sträuchern schneller zu dem gewünschten Aussehen.

WAS WIRD WANN GESCHNITTEN?

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Gartenschere (Bypass- oder Amboss-Schere)
  • Laubsäge
  • Gartenleiter
  • Baumwundverschluss-Mittel

Ziersträucher

Ziersträucher bilden durch den Schnitt verstärkt neue, später blühende Triebe aus. Es genügt im Normalfall, wenn Sie sich auf das Zurückschneiden neuer Triebe und das Auslichten zu dicht stehender, abgeknickter oder abgestorbener Zweige beschränken.
Frühlingsblüher (z.B. Forsythie) werden erst nach der Blüte geschnitten, Spätblüher Ende März/ Anfang April. Abgeblühte Triebe knapp über dem Boden abschneiden.
Erst wenn nach einigen Jahren der Strauch zu üppig gewachsen ist und an Stellen verkahlt, wo kein Licht mehr heranreicht, sollten Sie Ihrem Zierstrauch ernsthaft zu Leibe rücken.
Am besten im Winter (nur an frostfreien Tagen!) die ältesten, dunklen Triebe direkt über dem Boden oder am Haupttrieb abschneiden – möglichst, ohne die natürliche Wuchsform zu zerstören.

Bäume

Bei Einpflanzungen im Frühjahr können Sie den ersten Schnitt bereits sofort vornehmen, Herbstpflanzungen werden ebenfalls im Frühjahr erstmals geschnitten. März bis Mitte April ist der geeignete Zeitraum.

Dabei die Haupttriebe kürzen, den Konkurrenztrieb und die Nebentriebe ganz entfernen und Ihrem kleinen Bäumchen die Form für sein weiteres Wachstum geben.

Die oberen Knospen sollten sich auf einer Höhe befinden. Nun noch alle nach innen wachsenden und senkrecht strebenden Triebe entfernen, und Ihr Baum wird schlank und ordentlich in die Höhe streben.
Bei Früchte tragenden Bäumen wie Haselnuss, Walnuss oder Eiche die erste Blüte entfernen. Die Bäume sollen im ersten Jahr keine Früchte tragen – das stärkt die Wurzelbildung.

Ab dem zweiten Jahr nach ihrer Anpflanzung sind dann Erziehungsschnitte nötig – am besten im Frühjahr. Dadurch helfen Sie Ihrem Baum, eine fantastische Krone zu bilden. Dazu Seitentriebe um ¼ kürzen, Haupttrieb etwas höher stehen lassen und nach innen wachsende Triebe entfernen.
Diese Prozedur sollten Sie fünf Jahre lang jedes Frühjahr wiederholen.
Wenn Sie dann noch im Herbst Ihren Baum auslichten, d.h. von abgestorbenen und geknickten Ästen befreien, wird er sich so prächtig entwickeln, wie Sie es sich gewünscht haben.
Denken Sie an die Wundbehandlung, wenn Sie stärkere Äste schneiden müssen, um Pilz- und Schädlingsbefall zu verhindern.

2. OBSTGEHÖLZE

Obstbäume zu schneiden ist unverzichtbarer Bestandteil Ihrer Pflegearbeit. Nur so werden Sie 20 oder 30 Jahre lang Freude an ertragreichen Ernten mit leckeren Früchten haben.

Der Schnitt erfolgt immer im März und April. Generell gilt bei Obstgehölz:

  • Je mehr ein Ast zurückgeschnitten wird, desto stärker und kräftiger treibt er nach.
  • Je mehr Äste und Triebe Ihrer Schere „zum Opfer fallen“, desto mehr Holz wächst nach.
  • Und je höher ein Baum wächst, desto geringer wird die Chance, große Früchte zu tragen.

Wichtig ist vor allem der erste Schnitt nach der Einpflanzung und das Entfernen der ersten Blüte, damit der Baum im ersten Jahr auf keinen Fall Früchte ausbildet. Und der Konkurrenztrieb (Paralleltrieb zum Mitteltrieb = Stammverlängerung) muss früh entfernt werden.
Am Ende des ersten Schnitts von Haupt-, Konkurrenz-, Leit- und Seitentrieben sollte sich eine pyramidenähnliche Form ergeben, die über den gesamten Lebenszyklus des Baumes beibehalten werden sollte.
Dadurch stellen Sie sicher, dass Licht jeden Winkel Ihres Baumes erreicht und sich Blätter und Früchte auch in den unteren Regionen optimal ausbilden können.
Hier hat die frühe Formung der Krone noch zusätzlich den Effekt, dass Sie sich später das Ernten Ihrer Äpfel, Birnen oder Kirschen auch aus luftiger Höhe erleichtern. Beim Obstbaumschnitt werden drei Schnittarten unterschieden:

Der Erziehungsschnitt
Konzentriert sich auf die Leitäste (seitliche Hauptäste) und deren Seitentriebe. Pro Leitast immer nur ca. 3 Seitenäste stehen lassen. Alle aus den Leitästen steil nach oben wachsenden Jungtriebe und alle Konkurrenztriebe entfernen. So entwickelt sich eine schöne, breite Krone.

Der Instandhaltungsschnitt/Erhaltungsschnitt
Erhält die einmal aufgebaute Krone und das lichtoffene Bauminnere. Alle älteren, nur noch schlecht tragenden und nach unten wachsenden Fruchtäste werden entfernt. Deren günstig gelegenen Neutriebe nur mäßig zurückschneiden. Daraus entstehen die neuen Fruchtäste (Beispiel: Sauerkirschen tragen nur am einjährigen Holz!).

Der Verjüngungsschnitt
Dient dazu, alten Kronen ertragstechnisch noch einmal „jugendlichen Schwung“ zu verleihen. Das geht nur durch rigorosen Einsatz von Schere und Säge: Mittelast und Leitäste konsequent und großzügig zurücknehmen, Seitentriebe entsprechend bis knapp unterhalb der neuen Höhe abschneiden.

WEITERE PFLEGEMASSNAHMEN IHRES OBSTGEHÖLZES

Binden
Wollen Sie einen Trieb in tragendes Fruchtholz verwandeln, können Sie die zu steil hochwachsenden Triebe mit einem Seil in die Waagerechte ziehen. Das Seil am Stamm fixieren (Vorsicht: Die Zweige nicht so weit nach unten zwingen, dass sie einreißen oder abbrechen). Das Binden – während des Schnitts im März/April oder im Juli – beendet das Längenwachstum, der Zweig beginnt zu blühen.

Veredeln
Die Ernte versiegt, der Baum trägt nicht mehr, das Obst ist klein und von geringer Qualität? Oder Sie wollen unterschiedliche Sorten ziehen? Einen neuen Baum anpflanzen möchten Sie aber auch nicht?
Dann können Sie Ihrem Problem mit einer Veredelung zu Leibe rücken.

Pfropfen, Kopulieren, Okulieren – es gibt verschiedene Veredelungstechniken. Die gebräuchlichste ist die Pfropfung.
Das Pfropfen ist im Prinzip das „chirurgische“ Ansetzen neuer, ca. 10 cm langer Triebe („Edelreise“) einer gesunden Mutterpflanze an abgeschnittene Astenden.
Edelreise müssen mehrere Augen besitzen und im Winter geschnitten werden. Fragen Sie in Ihrem Gartencenter oder einer Baumschule danach.

SCHRITT 1:

Zunächst im Winter die Baumkrone radikal, aber fachkundig zurücknehmen (hierzu besser einen Fachmann zurate ziehen!). Bei Kernobst im Winter oder Frühjahr, bei Steinobst keinesfalls später als im Januar.

SCHRITT 2:

Im April/Mai die zurückgeschnittene Krone nochmals um 10 – 20 cm abschneiden (Astenden sind über den Winter gefroren und eingetrocknet).

SCHRITT 3:

Astenden („Pfropfköpfe“) längs einschneiden, Rinde beidseitig zurückklappen. Edelreise gegenüber einem Auge unter die angehobene Rinde schieben. Die schräge Schnittkante muss exakt und dicht auf dem Ast aufliegen, um dort in den folgenden 6 – 8 Wochen anwachsen zu können.

SCHRITT 4:

Verbindungsstelle fest mit Bast oder Kunststoffband umwickeln. Anschließend dick und luftdicht mit Baumwachs einstreichen.
Dicke Äste können Sie auch mit mehreren Edelreisen veredeln. Sie wachsen innerhalb weniger Wochen an und bilden die neuen Triebe aus, aus denen dann die neuen Fruchtäste mit gesunden Früchten entstehen.

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