Hausfassade dämmen

Generell bei jeder Fassadenrenovierung, aber auch bei älteren Häusern mit unzeitgemäßen AußenwandAufbauten sollte über eine neue Fassadendämmung nachgedacht werden.

Generell bei jeder Fassadenrenovierung, aber auch bei älteren Häusern mit unzeitgemäßen AußenwandAufbauten sollte über eine neue Fassadendämmung nachgedacht werden. Denn diese Investition rentiert sich gleich dreifach: Durch Eigenleistung enorme 50% bis 70% Heizkostenersparnis, gesteigerter Wohnkomfort und entsprechende Wertsteigerung Ihrer Immobilie.

1. VORÜBERLEGUNGEN

Angesichts explodierender Strom-, Öl- und Gaspreise werden Nebenkosten inzwischen bereits als „zweite Miete“ bezeichnet und belasten die Geldbeutel von Mietern und Hausbesitzern enorm. Eine neue Hülle für Ihr Haus kann hier schnell und vor allem hoch effi zient Abhilfe schaffen. Bevor Sie jedoch an die tatsächliche Arbeit gehen, sind verschiedene wichtige Fragen zu beantworten, um eine möglichst optimale Lösung für Sie zu finden.

  • Wann macht eine neue Fassadendämmung Sinn?
  • Wann ist sie sogar gesetzlich vorgeschrieben?
  • Wie lässt sich die Höhe der Ener- gieeinsparung vorzeitig ermitteln?
  • Welche Techniken, Materialien und Lösungen gibt es?

Lohnenswert ist eine neue Außendämmung bei allen Häusern, die älter als 20 Jahre sind. Seitdem hat die Bau- und Dämmtechnik derartige Fortschritte gemacht, dass hier ein enormes Einsparpotenzial besteht. In einigen Fällen werden Sie zudem allein schon aus gesetzlichen Gründen nicht umhinkommen, bei schlechten Dämmwerten eine neue Fassadendämmung vorzunehmen. Diese werden in der Energie-Einsparverordnung (EnEV) festgelegt. Werden beispielsweise bei einer Renovierung des Fassadenputzes mehr als 20% der Fassade erneuert, ist eine neue Dämmung nach modernen Gesichtspunkten vorgeschrieben. Als Eigentümer eines Mietshauses müssen Sie Ihren Mietern seit 2008 auf Nachfrage einen Energiepass Ihres Hauses vorlegen. Geht aus diesem hervor, dass ein zu hoher Wärmeverlust durch die Fassade entsteht und die Nebenkosten in die Höhe treibt, ist eine neue Dämmung fällig. Der Energiepass ist übrigens auch ein überzeugendes Argument beim Verkauf Ihres Einfamilienhauses. Informieren Sie sich in jedem Fall vorher genau über die in der EnEV festgelegten Vorschriften und halten Sie diese exakt ein – dann können Sie Ihre Investitionskosten durch Fördergelder deutlich senken! Denn bei derzeit 4.900 Förderprogrammen durch Bund, Länder, Gemeinden und Energieversorgern sollten Sie sich diese Unterstützung nicht entgehen lassen. Die sicherste Art, die aktuelle Dämmleistung bzw. das Ausmaß der ungenutzt entweichenden Wärme zu ermitteln, ist die Messung mittels einer speziellen Wärmekamera. Die thermische Messung ist zwar nicht ganz billig, wird aber ebenfalls staatlich gefördert. Fragen Sie in Ihrer Stadtverwaltung nach.

Die Vorteile einer neuen Dämmung auf der Haus-Außenseite liegen klar auf der Hand:

  1. Ganz gleich, aus welchem Material (Putz, Klinker, Beton etc.) sie besteht, jede Fassade ist zur nachträglichen Dämmung geeignet.
  2. Außerdem geht Ihnen auf diese Weise kein Wohnraumvolumen verloren.
  3. Und dank der modernen WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem)-Technik, die Sie in Ihrem Baumarkt erhalten, lässt sich die Fassadendämmung recht unkompliziert als Heimwerkerarbeit bewältigen.

2. DÄMMMATERIALIEN

Generell werden bei einer Außendämmung entsprechende Platten aus Naturstoffen wie Schilfrohr, Kokos, Kork, Holz oder industriell hergestellten Materialien wie Styropor, Mineralwolle, PUR (Polyurethanschaum), Faserzement oder Mineralschaum auf die Fassaden montiert.

Dabei sind drei Faustregeln zu beachten:

  1. Das Material darf nur schwer oder gar nicht entfl ammbar sein (Brandschutzklasse B1).
  2. Es muss atmungsaktiv sein, damit das Haus Feuchtigkeit abgeben kann.
  3. Es muss dauerhaft jeder Witterung standhalten und darf weder zwischenzeitlich „verrotten“ noch frostempfi ndlich sein noch bei starker Sonneneinstrahlung brüchig werden.

Bestens bewährt, weil hoch effizient, günstig und unkompliziert, haben sich mehrschichtige Wärmedämmverbundsysteme (WDVS).

Sie bestehen aus Dämmplatten, die mit einem speziellen Klebemörtel 100% haftsicher auf der Hauswand angebracht werden. Darüber kommt ein Armierungsmörtel, darauf ein WDVS-Armierungsgewebe. Auf dem Armierungs-Gewebe lassen sich dann Putzgrund und Reibeputz als neue Fassadenoptik anbringen. Insgesamt besitzt diese dreischichtige Dämmung plus zweischichtigem Au- ßenputz eine Stärke von ca. 70 mm.

Neben der leistungsstarken Dämmwirkung wird auf diese Weise übrigens auch eine erhebliche Verbesserung des Schallschutzes erzielt. Und im Sommer hält die neue Dämmung die Innenräume angenehm kühl.

Alternativ zu den mehrschichtigen Verbundsystemen sind übrigens auch Dämmplatten erhältlich, die auf der Außenseite bereits feste Oberfl ächenmuster z.B. in Klinkerform besitzen und keine weitere Beschichtung benötigen.

Dämmplatten bekommen Sie in Ihrem Baumarkt in verschiedenen Größen bis z.B. 50 x 100 cm. Sie lassen sich mit einer normalen Handsäge zuschneiden. Den Bedarf ermitteln Sie einfach, indem Sie die Fläche einer Außenwand errechnen (Höhe x Breite) und dabei die Fenster und Türen einfach mit einrechnen.

Nachweislich können Sie mit einer solchen WDVS-Lösung zwischen 50% und 70% Heizkosten sparen. Sind dann auch noch Fenster und Türen optimal gedämmt, machen sich die Einsparungen bei den Heizkosten ganz schnell im großen Stil bemerkbar.

3. HAUSWAND VORBEREITEN

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Wasserwaage
  • Richtschnur bzw. Richtlatte
  • Bohrmaschine
  • Zollstock
  • Bleistift
  • Blechschere bzw. Eisensäge
  • Spachtel
  • Drahtbürste
  • Steinbohrer
  • Dübel
  • Stahlschrauben
  • Stahlnägel
  • Sockelprofile
  • Spachtelmasse
  • Mörtelputz
  • Tiefengrund
  • Abdeckfolie
  • Kreppband

SCHRITT 1:

Bei gut erhaltenen Hauswänden müssen Sie die Fassade mit Drahtbürste oder Bürste lediglich gründlich von Schmutz und losen Teilen reinigen.

Wird altes Mauerwerk neu gedämmt, sollten Sie die Fugen auf Risse und bröckelnde Stellen untersuchen und diese mit frischem Mörtelputz neu füllen.

Risse und hohle Stellen an verputzten Fassaden werden mit einem Spachtel verbreitert bzw. abgelöst und mit Spachtelmasse (größere Stellen mit Mörtelputz) neu verfüllt.

Alte und sandende Untergründe müssen Sie mit Tiefengrund vorbehandeln, um eine optimale Haftung des Klebemörtels zu gewährleisten.

Dann können Sie Fenster, Fensterbänke und Türen mit Folie abdecken und die Folie mit Kreppband fixieren.

Schritt 2:

Nun werden zunächst die Sockelprofile montiert. Sie müssen der Stärke Ihrer Dämmplatten angepasst sein und geben diesen zum Boden hin den nötigen Halt. Die Profile werden 20-30 cm über dem Boden in Waage an die Außenwand angeschraubt.

Hierzu spannen Sie mithilfe von Wasserwaage, Zollstock und Stahlnägeln eine Richtschnur exakt in Höhe der späteren Profilober- oder Unterkante.

Daran halten Sie dann die einzelnen Sockelprofile an und kennzeichnen mit dem Bleistift die Bohrlöcher an der Wand. Dabei wird je Profil an beiden Enden und in der Mitte eine Befestigung vorgesehen.

Anschließend können Sie bohren, Dübel einsetzen, das erste Sockelprofil anhalten und mit den Stahlschrauben an der Wand fixieren. Prüfen Sie die Horizontale mit der Wasserwaage nach. Das nächste Profil wird dann im Abstand von einigen Zentimetern (3-5 cm) angebracht.

An den Hausecken schneiden Sie die Profile schließlich mit einer Eisensäge auf Gehrung, um einen dichten Kantenabschluss der Dämmplatten sicherzustellen.

4. DÄMMPLATTEN MONTIEREN

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Wasserwaage
  • Eimer
  • Rührquirl
  • Maurerkelle
  • Zahnspachtel
  • Glätter
  • Handsäge
  • Zollstock
  • Hammer
  • Klebe- und Armierungsmörtel
  • Dämmplatten
  • Füllschaum
  • Armierungsgewebe
  • Tellerdübel
  • Putzgrund
  • Reibeputz

SCHRITT 1:

Mit dem Rührquirl wird zunächst der Klebemörtel mit Wasser zu einer homogenen, zähflüssigen Masse verrührt. Verteilen Sie diese dann mit der Kelle auf der Dämmplatte (rundherum an den Rändern plus mehrere Kleberhäufchen in der Plattenmitte).

Die Platte wird dann exakt in die Sockelleiste eingeführt – gegebenenfalls vorher die Platte unten mit der Säge leicht verjüngen – und fest an die Wand angedrückt.

Beginnen Sie immer genau an einer Hausecke und verkleben Sie zuerst die untere, in die Sockelprofile eingelassene Plattenreihe auf Stoß.

TIPP 1: THEMA SICHERHEIT

Als Heimwerker die Fassade eines Ein- oder Mehrfamilienhauses neu zu dämmen, ist mit etwas Geschick kein Problem.
Doch das Arbeiten mit Bohrmaschine, Spachtel, Mörtel, 0,5 m² großen Dämmplatten etc. ist allein auf einer Leiter nicht nur praktisch unmöglich, sondern geradezu lebensgefährlich.

Auch die provisorische Eigenkonstruktion eines Gerüstes ist nicht zu empfehlen.
Mieten Sie daher in jedem Fall bei einer lokalen Gerüstbaufirma ein professionelles Gerüst und lassen Sie es auch von dieser Firma fachkundig errichten.
Die Mehrkosten stehen in keinem Verhältnis zu den Folgen eines Unfalls, wenn Sie aus mehreren Metern Höhe abstürzen. Fragen Sie in Ihrem Baumarkt nach entsprechenden Adressen.

SCHRITT 2:

Bei der zweiten Reihe Platten müssen Sie auf den richtigen Versatz achten. Niemals Kreuzfugen entstehen lassen, sondern mit einem Versatz von ca. 25 cm arbeiten.

Auch an Fenstern und Türen sind die Platten so zuzuschneiden und anzubringen, dass keine Längs- oder Querfugen am Rahmen abschließen.
Quillt Kleber aus den kleinen Fugen zwischen den Platten hervor, diesen immer sofort mit einem Lappen abwischen, bevor er aushärtet.
Die Fugen selbst – die auch bei optimaler Plattenmontage unvermeidbar sind – werden dann mittels einer (Silikon-)Spritze mit Füllschaum ausgefüllt, um eine 100-prozentige Isolierung sicherzustellen.

SCHRITT 3:

Der Mauerstreifen unterhalb der Sockelprofile wird zum Schluss mit entsprechend gesägten Dämmplattenstreifen zugeklebt. Achten Sie hierbei darauf, dass das Mauerwerk darunter bestmöglich gegen Feuchtigkeit abgedichtet ist (z.B. Bitumenanstrich), denn diese Funktion kann die neue Dämmung nicht übernehmen.

SCHRITT 4:

Haben Sie die Außenwände komplett mit Platten verklebt, lassen Sie dem Kleber einige Tage Zeit zum vollständigen Aushärten. Erst danach folgt die Armierung.

Hierzu streichen Sie mit dem Spachtel eine 3-4 mm dicke Schicht Klebe- und Armierungsmörtel auf die Dämmplatten auf und „kämmen“ diese mit dem Zahnspachtel durch.

Dann halten Sie das WDVS-Armierungsgewebe lose daran und streichen es mit dem Glätter so tief in die Klebermasse ein, dass es vollständig darin eingebettet ist.

Die einzelnen Gewebebahnen sollten stets mehrere Zentimeter überlappen.

An den Hauskanten können Sie zudem für einen stoßfesten Abschluss der Armierung spezielle Eckschienen in die Armierungsmasse eindrücken, die später dann vollständig unter dem Fassadenputz verschwinden.

SCHRITT 5:

Zum Schluss – nach dem mehrtägigen Aushärten des Armierungsmörtels samt Gewebe – wird auf diese zweite Dämmschicht der Putzgrund mit dem Glätter aufgetragen.

Fertig ist die neue Fassadendämmung. Abschließend können Sie den neuen Reibeputz als äußere Fassadenschicht aufbringen.

TIPP 3: KNIFFLIGE STELLEN

So dicht und wärmedämmend die Fassade nach der Renovierung auch ist, an Fenstern und Türen besteht immer erhöhte
Gefahr von Undichtigkeit und Wärmeverlust.
Bevor Sie daher Dämmplattenstreifen z.B. an den Fensterlaibungen ankleben, sollten Sie an den kritischen Stellen zuvor ein spezielles, vorkomprimiertes Dichtband anbringen.
Besonders wichtig ist dies an den Ecken Laibung/Fensterbank, Dämmplatte/Unterkante Fensterbank, Dämmplatte/Dachüberstand und Dämmplatte/Haustürsturz.
Auch der sorgfältigen Abdichtung der Fugen mit Füllschaum kommt an diesen Stellen eine besondere Bedeutung zu.
Auf diese Weise vermeiden Sie nicht nur Kältebrücken, sondern verhindern auch, dass Feuchtigkeit unter die neue Dämmung ins Mauerwerk eindringen kann

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