Holzbalkon anbauen

Wer keinen Garten hat, kann sich mit einem Balkon auch nachträglich ein lauschiges Sommer-Plätzchen schaffen.

Wer keinen Garten hat, kann sich mit einem Balkon auch nachträglich ein lauschiges Sommer-Plätzchen schaffen. Ein Balkon ist im Sommer ein kleiner Gartenersatz. Sonnenbaden, Grillen, Frühstücken oder Lesen, ihn mit bunter Blumenpracht verschönern und die sonnige Jahreszeit entspannt genießen – der nachträgliche Anbau einer Balkon Holzkonstruktion ist für einen erfahrenen Heimwerker eine lösbare Aufgabe.

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1. VORÜBERLEGUNGEN

Prinzipiell ist das Vorhaben, einen Balkon anzubauen, vom örtlichen Bauamt zu genehmigen. Dafür müssen Sie neben dem reinen Antrag auch detaillierte Konstruktionspläne einreichen.
Damit Ihre Pläne jedoch später auch genehmigt werden können, empfiehlt es sich, zuvor die regionalen Baubestimmungen zu kennen. Denn diese sind Sache der Gemeinde und können regional sehr unterschiedlich sein.

  • Das Genehmigungsverfahren wiederum erfordert genaue Kenntnisse in Sachen Statik, Materialkunde und Konstruktionszeichnung. Auch wenn Sie Ihren Balkon letztlich selber bauen wollen: Die Beauftragung eines Architekten oder Fachbetriebs mit der Planung und Abstimmung mit dem Bauamt kann Ihnen am Ende viel Zeit und Geld ersparen und ist daher absolut empfehlenswert.

Wo soll der neue Anbaubalkon hin? Die Wahl des Standortes unterliegt diversen Kriterien.

  • Bei einem 1½-stöckigen Einfamilienhaus kommen wohl nur die beiden Giebelseiten infrage.
  • Wie sind diese ausgerichtet (Himmelsrichtung, Sonnenverlauf, Sonnen-/Schattenstunden)?

-Soll die Sonne morgens (Ostlage) oder lieber abends (Süd-/Südwestlage) den Balkon bescheinen?
-Existieren dort bereits Türen, um den Balkon begehen zu können, oder müssen diese ebenfalls noch baulich realisiert werden?
-Beschattet der Balkon später in unerwünschter Weise ein Zimmer?

  • Ab 90 cm Bautiefe wirft der Balkon unweigerlich Schatten.
  • Der Raum darunter dunkelt ab, die Sonne hilft nicht mehr beim Erwärmen, im Herbst und Winter steigt der Heizenergieverbrauch.

-Was wollen Sie auf dem Balkon: Sonnenbaden, Frühstücken, Grillen, Gärtnern? Breite und Tiefe des Balkons müssen darauf abgestimmt sein.

  • 3 m² reichen kaum für 2 Personen, 10 m² sind statisch und finanziell eine Herausforderung

Ein Balkon ist Wind und Wetter ausgesetzt und muss dennoch viele Jahre lang seine maximale Stabilität bewahren. Die Frage des Baumaterials – bei Holz der Holzart und Imprägnierung – spielt daher eine zentrale Rolle. Auch eine Kombination aus Metall (Pfeiler, Balkonkern) und Holz (Bodenauflage, Geländer) ist denkbar.
Schließlich stellt sich die Frage des Designs. Passt der geplante Anbaubalkon stilistisch zum Rest des Hauses? Harmonieren Größe, Dekor und Form mit dem Gesamtgebäude?

2. VORSCHRIFTEN

Tragende Holzkonstruktionen im Außenbereich unterliegen der Holzbaunorm DIN 1052. Diese teilt Hölzer in Nutzungsklassen ein und orientiert sich dabei an Witterungsbelastungen, Klimabedingungen und Holzart. Sie dient u.a. auch dem Statiknachweis bei der Planung.
Nutzungsklasse 2 beschreibt dabei offene, aber überdachte Bauwerke, bei einem Balkon z.B. die Bereiche, die unter einem Dachüberstand geschützt liegen. Nutzungsklasse 3 bezieht sich auf komplett der Witterung ausgesetzte Konstruktionen.
Übrigens: Zimmerer, die Balkone professionell bauen, ordnen Balkonholz in vier Schutzklassen ein, wobei 1 für geschützte Bauteile steht, 3 für ungeschützte und 4 für nicht tragende Verschleißbauteile, die regelmäßig zu erneuern sind.
Die Wahl Ihres Holzes muss daraufhin angepasst werden. Fichtekesseldruckimprägniert entspricht beispielsweise NICHT der Schutzklasse 3, sondern nur der Klasse 2. Ihre Konstruktion muss zudem so angelegt sein, dass sich keine Staunässe bilden kann. Diese könnte auf Dauer zusammen mit daraus resultierendem Pilzbefall die gesamte Statik des Balkons gefährden. Ungeachtet dessen sind Sie ohnehin gehalten, das Balkonholz regelmäßig zu pflegen (Lasur etc.) und Schäden rechtzeitig auszubessern.

3. BAUPRINZIP

Im Grunde wird ein nachträglicher Anbaubalkon ähnlich aufgebaut wie eine Terrassenüberdachung, nur begehbar und mit Geländer. Bedeutet: Je nach Länge werden zwei oder mehr Pfosten im Boden verankert. Darauf wird eine tragende Balkenkonstruktion gebaut, die an der Hauswand fixiert wird. Auf die Balken kommt eine Schalung als Untergrund, darauf z.B. Dielen oder Holzroste als Bodenbelag. Schließlich wird das Geländer angebracht. Diese Form ist die finanziell und baulich günstigste Möglichkeit eines angebauten Balkons. Außerdem bleibt die Gebäudehülle unversehrt, Wärmebrücken werden vermieden.

4. BALKONAUFBAU

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Spaten
  • Wasserwaage
  • Schubkarre
  • Maurerschnur
  • Schraubenschlüssel
  • Pfosten (Vierkant, Rundpfosten)
  • Pfostenträger
  • Tragebalken
  • Beton
  • Vierkantschrauben
  • Winkel
  • Injektionsanker
  • Stichsäge
  • Zollstock
  • Maßband
  • Schraubendreher
  • Akkuschrauber
  • Hammer
  • Holzschalung (witterungsbehandelte Platten, Nut-Feder-Dielen etc.)
  • Dachpappe/Bitumenbahnen
  • Steglager
  • Holzschrauben
  • Dachpappennägel

DAS GRUNDGERÜST

Das Montageprinzip entspricht dem einer Terrassenüberdachung (siehe auch den Ratgeber „Pergola bauen“).
Breite und Tiefe Ihres Balkons haben Sie in Ihrem Plan bereits festgelegt. Weichen Sie keinesfalls davon ab!

SCHRITT 1:

Pfostenlöcher abmessen und ausheben (ein Pfosten alle 2 – 2,5 m), mit Beton füllen, Pfostenträger waagerecht und auf einer Höhe einbauen und trocknen lassen.

SCHRITT 2:

Nach dem Aushärten (ca. 3 Tage) werden die Pfosten mit Schrauben und Muttern in den Pfostenträgern verschraubt. Das Holz darf nicht mit dem Erdreich in Kontakt kommen.

SCHRITT 3:

Nun muss der tragende Querbalken (die Pfette) auf zwei Pfosten mithilfe von Winkeln waagerecht montiert werden.

SCHRITT 4:

Nun erfolgt die Befestigung des tragenden Balkens an der Hauswand. Hierbei haben Sie zwei Möglichkeiten:

SCHRITT 4A:

Der Balken wird mit Injektionsankern (siehe auch den Ratgeber „Dübel, Schrauben, Nägel“) und schnell härtender Mörtelmasse an der Hauswand befestigt.

SCHRITT 4B:

Alternativ – beipielsweise bei alten oder schwachen Fassaden – wird entlang der Hauswand wird parallel zur vorderen Reihe aus Pfosten und Trägern eine identische Konstruktion aufgebaut. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn die Hausfassade eine geringe Tragfähigkeit besitzt, z.B. bei Altbauten oder Hohlsteinfassaden.

Die richtige Höhe ist gegeben, wenn
a) die regenführende Schicht – hier also die Schalung unter dem Bodenbelag – 15 cm unterhalb des Türtritts liegt (DIN 18195 Vorschrift wegen Spritzwasser)
b) diese regenführende Schalung vom Haus wegführend ein leichtes Gefälle von 2-3% aufweist
c) die hausseitige Pfette daher entsprechend höher montiert wird als die vordere Pfette
Platzieren Sie vor der Montage des hausseitigen Trägers zwischen Pfette und Hauswand Dachpappe. Das hält Feuchtigkeit vom Holz ab.

SCHRITT 5:

Anschließend wird die tragende Unterkonstruktion aufgebaut. Hierzu in Längsrichtung (90° zur Hauswand) Lamellen hochkant auf beiden Querbalken anbringen. Setzen Sie an der Hausseite Montagewinkel ein und lassen Sie die Balkenenden vorne am Querträger enden. Auch hier mit Montagewinkeln fixieren.

TIPP 1: MATERIALALTERNATIVE

Sie können (je nach persönlichem Geschmack) für die Grundkonstruktion (Pfosten, Pfetten, Lamellen) statt Holz alternativ auch feuerverzinktes Metall verwenden.

  • Die Montage der Pfosten ist identisch mit der Holzkonstruktion.
  • Auch die Querträger (Pfetten) sowie die gesamte Unterkonstruktion (Lamellen) lassen sich aus miteinander verschraubten Metallträgern aufbauen.
  • Erst Schalung und Balkon-Bodenbelag werden dann aus Holz aufgebaut.

Vorteil:
sehr stabil, extrem witterungsbeständig, pflegeleicht
Nachteil:
kaum in Eigenbau möglich; Pfosten, Träger und Streben müssen in der Regel vom Fachbetrieb nach Maß gefertigt werden

DIE BEGEHBARE FLÄCHE

SCHRITT 6:

Auf die Unterkonstruktion wird nun die Schalung montiert. Ob Sie hierzu Nut-Feder-Bretter oder Holzplatten verwenden, haben Sie bereits entsprechend der statischen Berechnung in Ihrem Konstruktionsplan festgelegt. Die Schalung wird mit Holzschrauben auf den Balken montiert.
Belassen Sie zur Vermeidung von Staunässe zwischen Hauswand und Schalung einen Spalt von 10 mm.
Die Schalung wird letztlich die wasserführende Schicht, die das Regenwasser vom Balkon ableitet. Deshalb muss sie ein leichtes Gefälle von 2-3% aufweisen. Wie oben beschrieben, erreichen Sie dies durch die entsprechend unterschiedliche Montagehöhe von vorderem und hausseitigem Querträger.

SCHRITT 7:

Wichtig ist, dass die Schalung aus witterungsbeständigem und behandeltem Holz besteht. Zusätzlich wird diese mit Dachpappe bzw. Bitumenbahnen bedeckt, weil die Schalung als wasserführende Schicht das Regenwasser ableiten muss. Fixiert wird die Abdeckung mit Dachpappennägeln.

SCHRITT 8:

Schließlich können Sie den begehbaren Bodenbelag auflegen. Bestens geeignet sind Boden- oder Terrassendielen mit Kapillarfugen in Dielen- oder Plattenform.

Achten Sie darauf, dass die Fugen immer in Richtung des Balkongefälles weisen Sie sorgen für einen perfekten Wasserabfluss, verhindern dadurch Staunässe am Holz und vermindern die Rutschgefahr.

Die Dielen werden auf Fuge gelegt, damit Regenwasser auf die mit Bitumen bedeckte Schalung ablaufen kann. Die Fugen sollten 6-10 mm breit sein – auch entlang der Hauswand.
Unterlegen Sie den Bodenbelag mit Steglagern. Diese gewährleisten, dass die Dielen bei Starkregen nicht auf der Schalung im Wasser stehen. Sie optimieren gleichzeitig den gesamten Wasserabfluss auf Ihrem neuen Balkon.

TIPP 2: REGENWASSER AUFFANGEN

Vorne plätschert das Wasser vom Balkon auf Terrasse oder Rasen herunter. An der Hauswand läuft das Regenwasser samt Schmutz entlang, weil zwischen Balkon und Wand eine Fuge bleiben muss. Beides ist nicht wirklich wünschenswert. Eine unauffällig montierte Regenrinne unterhalb beider Zonen sorgt dafür, dass der Platz unter dem Balkon trocken und die Hauswand (sowie Fenster etc.) sauber bleiben. Eventuell können Sie zwischen Hauswand und Schalung auch eine wasserdichte Silikonschicht anbringen.

  • mit geeignetem Silikon für den Außenbereich
  • plan zur Schalung
  • mit Aufkantung an der Hauswandseite
  • bei regelmäßiger Erneuerung im Abstand von 3-4 Jahren

DAS GELÄNDER

Die schnellste und einfachste Art, ein Geländer anzubringen: Erwerben Sie in Ihrem Praktiker Baumarkt ein Komplettset, das auch den Balkonaußenmaßen entspricht.

Die Befestigung des Geländers erfolgt an den Stützpfosten sowie – abhängig von der Geländerlänge – zusätzlich dazwischen an der vorderen Pfette. Die seitlichen Geländer werden zudem mit Schrauben und Dübeln an der Hauswand fixiert.

Ob Sie sich für ein offenes oder geschlossenes Geländer, für Holz, Plexiglas oder Metall entscheiden, ist immer Geschmacksache.
Es muss in jedem Fall den statischen Vorgaben entsprechen und absturzsicher konstruiert sein. Bedeutet: Kleine Kinder dürfen weder durch die Geländerstreben hindurch passen noch über das Geländer klettern können. Die vorgeschriebenen Maße sind: Ab 1,50 m Fallhöhe dürfen die Geländeröffnungen (Abstände der Streben) nicht mehr als 12 cm betragen. Die Brüstung muss 90 cm hoch sein. Ab 12 m Fallhöhe hat die Brüstung 1,10 m hoch zu sein.

TIPP 3: HOLZSCHUTZ

Um viele Jahre lang Freude an Ihrem Balkon zu haben und eine sichere Benutzung zu gewährleisten, muss das Holz gepflegt und geschützt werden.
Staunässe vermeiden durch

  • Gefälle des Bodens, Ablauffugen zwischen den Bodendielen und entlang der Hauswand
  • regelmäßiges Reinigen des Bodenbelags und der Schalung von Laub und Schmutz

Verwitterung vermeiden durch

  • jährliche Lasur aller ungeschützten Holzbereiche
  • alle 2-3 Jahre das Holz mit feinem Schleifpapier bearbeiten und lasieren bzw. ölen
  • lackierte Hölzer: Lackschäden sofort aus bessern und neu streichen

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