Holztreppe reparieren und restaurieren

Langjährige Belastungen hinterlassen auf einer Holztreppe irgendwann ihre Spuren.

Langjährige Belastungen hinterlassen auf einer Holztreppe irgendwann ihre Spuren. Aus einem attraktiven Element der Inneneinrichtung wird im Laufe der Zeit ein recht unansehnlicher Aufgang. Für einen durchschnittlich geübten Heimwerker stellt die Renovierung einer Holztreppe aber kein Problem dar.

1. STATUSANALYSE

Bevor Sie eine Treppe reparieren oder restaurieren, sollten Sie sich zunächst ein umfassendes Bild über ihren Gesamtzustand machen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie ein neues Haus oder eine neue Wohnung beziehen und die Vorgeschichte nicht genau kennen.
Erst danach können Sie wirklich verlässlich entscheiden, welche Arbeiten durchzuführen sind oder ob Sie sich besser dazu entschließen, eine neue Treppe einzubauen. Aus Kosten- und vor allem aus Sicherheitsgründen ist eine solche Prüfung unerlässlich.
Gehen Sie dabei nach folgender Checkliste vor:

Allgemeine Faktoren

  • Wie ist der Gesamteindruck?
  • Passen Ihnen Treppenstandort, Treppenform und Treppengröße (Steigung, Breite, Verlauf)?
  • Sind Steigung und Schrittmaß in Ordnung, zu groß oder zu klein (wichtig auch bei Kindern in der Familie)?
  • Gefallen Ihnen die Materialien und dekorativen Details?

Statik und Tragfähigkeit

  • Sind alle Anker und Wangenteile noch fest fixiert oder stellenweise ausgerissen?
  • Sind alle Stufen fest oder teilweise abgesunken?
  • Ist das Geländer noch stabil?
  • Gefallen Ihnen die Materialien und dekorativen Details?

Zustand der Stufen

  • Verlaufen sie eben und waagerecht?
  • Sind Gebrauchsspuren reparabel oder müssen einzelne Stufen ausgetauscht werden?
  • Können die Stufen gegebenenfalls aufgedoppelt / überbaut werden?

2. OBERFLÄCHENRENOVIERUNG

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Exzenterschleifer oder Kantenschleifer
  • Schaber
  • Rundpinsel
  • Flachpinsel
  • Schreiner-Staubtuch
  • Spachtel
  • Schleifpapier (Körnung: 25, 40, 80, 100) als Scheiben für die Schleifmaschine und lose für manuelles Schleifen
  • Fugenkit oder Holzspachtel
  • Grundierung
  • Lackversiegelung
  • Malerfolie
  • Kreppband

Die dankbarste, weil kostengünstige Renovierung ist die einer neuen Oberflächenversiegelung. Sind alle anderen Faktoren in Ordnung, haben Sie in wenigen Tagen eine Treppe, die wie neu aussieht.

SCHRITT 1:

Dichten Sie möglichst die Treppe bzw. das Treppenhaus rundherum mit Malerfolie ab. Türen zu angrenzenden Räumen werden mit Kreppband abgedichtet, Flurmöbel etc. mit Folie geschützt. So vermeiden Sie, dass der feine Schleifstaub sich im ganzen Haus verteilt.
Alternativ: Besorgen Sie sich eine spezielle Absaugvorrichtung für Ihren Kanten- bzw. Exzenterschleifer, die fast den gesamten Staub direkt an der Maschine absaugt.

SCHRITT 2:

Nun werden zunächst alle Konstruktionsmängel behoben: lockere Stufen neu fixieren, gegen knarrende Dielen kleine Holzkeile in die Zwischenräume treiben und die Schrauben wackeliger Geländer wieder anziehen.

SCHRITT 3:

Mit abnehmender Schleifpapier-Körnung von grob nach fein wird nun die gesamte Treppe mit der Schleifmaschine gründlich abgeschliffen. Beginnen Sie mit der gröbsten und arbeiten Sie sich über 3 bis 4 Schleifgänge bis zur 80er Körnung vor. Dabei muss die alte Versiegelung komplett entfernt werden, Kratzer und Abnutzungsspuren werden weitgehend beseitigt.

Achtung: Speziell Ungeübte können mit einem Exzenterschleifer schnell zusätzliche Kratzer im Holz verursachen. Arbeiten Sie daher ruhig und sorgsam, setzen Sie das Gerät immer plan (auf eine Fläche) auf und schleifen Sie problematische Stellen wie Kanten, Ecken, Ränder und Rundungen besser von Hand.

SCHRITT 4:

Alle Ecken und Kanten, die Sie mit der Maschine nicht erreichen, werden mit dem Schaber und dem jeweils entsprechenden Schleifpapier nach jedem Maschinenschleifen manuell bearbeitet.

SCHRITT 5:

Entfernen Sie den Staub nach jedem Schleifen mit einem Staubsauger und einem feuchten Tuch.

SCHRITT 6:

Stellen Sie kleinere Schäden am Holz fest – wie Risse oder Löcher –, werden diese anschließend mit Holzspachtel oder Fugenkit ausgebessert. Dazu die Masse mit einem Spachtel aufbringen und plan abziehen, trocknen lassen und die Stelle gründlich abschleifen.

SCHRITT 7:

Ein letzter Schleifvorgang mit feinem Schleifpapier (100er Körnung) beendet die Vorarbeiten. Der Staub muss wieder gründlich entfernt werden. Jetzt können Sie auch die Malerfolie abnehmen – der staubige Teil der Renovierung ist erledigt. Als letzter Gang wird die Treppe mit dem speziellen Schreiner-Staubtuch gereinigt.

SCHRITT 8:

Treppen sind starken Belastungen ausgesetzt. Deshalb empfiehlt sich vor der neuen Versiegelung das Aufbringen einer Grundierung.

SCHRITT 9:

Nach dem Trocknen der Grundierung wird die Lackversiegelung aufgebracht. Flächen mit dem Flachpinsel, Ecken und Kanten mit dem Rundpinsel bestreichen. Gehen Sie davon aus, dass mehrere Lackaufträge erforderlich sind, um eine optimale Versiegelung zu gewährleisten. Nach dem Trocknen des Lacks und vor jeder neuen Versiegelung die Treppe mit dem Staubtuch reinigen.

Ob Sie einen farbigen oder transparenten Lack auftragen, ist übrigens Geschmacksache. Wobei Farbe die eine oder andere nicht durch das Schleifen beseitigte Gebrauchsspur besser kaschiert. Wasserbasierter Lack ist als geruchsfreie Lösung die erste Wahl in allen Wohnbereichen.
Der Lack muss mehrere Tage aushärten. Vermeiden Sie an den ersten 1 bis 2 Tagen nach dem Anstrich möglichst jedes Begehen der Treppe und an den Folgetagen das Betreten mit Schuhen.

3. TREPPE ÜBERBAUEN

Diese Form der Treppenrenovierung ist entweder nur etwas für echte Könner und Heimwerker mit einer professionell ausgerüsteten Werkstatt oder eine Arbeit für den Fachmann.

In jedem Fall haben Sie immer die Möglichkeit, stark beschädigten oder „hässlichen“ Stufen durch eine Überbauung ein neues Gesicht zu verleihen.
Dabei können Sie auswählen, bestehende Stufen beispielsweise mit Laminat- oder Massivholzdielen zu überbauen oder alle Dielen komplett durch neue zu ersetzen.
Generell lassen sich auf diese Weise alle Treppentypen „generalüberholen“, auch gewendelte Treppen und Spiraltreppen.

Voraussetzungen:
Die Überbauung der Treppe ohne Entfernen der alten Dielenbretter ist nur dann möglich, wenn

  1. die Steigung (Höhenunterschied von Stufe zu Stufe) von mindestens 16 bis 18 cm auch nachhernoch gewährleistet ist,
  2. die alte Unterlage (der Kern) in
    einem statisch guten Zustand ist.


Der passgenaue Zuschnitt der neuen Dielen erfordert höchste Präzision beim Messen und Sägen. Insbesondere Wendel- und Spiraltreppen, deren Stufen zum Treppenauge hin schmaler werden, sind hier problematisch.

Tipp: Überlassen Sie den Zuschnitt gegebenenfalls dem Fachberater für den Holzschnitt in Ihrem Praktiker Baumarkt oder einem Fachbetrieb (Schreinerei) in Ihrer Nähe.

Der Vorteil einer Überbauung: Die Treppe erhält ein komplett neues Aussehen ohne die hohen Kosten eines Neueinbaus. Außerdem kann die Treppe während des Arbeitsprozesses weiter benutzt werden und es entsteht praktisch kein Schmutz.
Bleiben die alten Stufen erhalten, werden die neuen Dielen mit Stabilisierungswinkeln fixiert, um eine optimale Trittsicherheit zu gewährleisten.
Denken Sie daran, dass die vordere Diele abgerundet sein muss. Vergessen Sie auch nicht, genügend Material einzuplanen, um auch die Treppenlöcher neu zu verkleiden. Denken Sie gegebenenfalls auch an eine Trittschalldämmung, sofern das Begehen der Treppe vorher gut hörbar war.
Bei einem Austausch der Stufen müssen Sie den Treppenkern frei- legen, also die Dielenbretter komplett entfernen. Auf die blanken Podeste werden dann die neuen Stufen montiert.

Tipp zum Schluss: Eine Überbauung mit neuen Laminat- oder Massivholzdielen ist gerade auch für alte, wenig gefällige Steintreppen bestens geeignet, sofern nach dem Einbau eine Steigung (Tritthöhe) von 16 bis 20 cm und ein Auftritt von mindestens 23 cm gewährleistet sind.

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