Möbel restaurieren und reparieren

Wie oft findet man beim Entrümpeln von Kellern und Speichern oder auch auf dem Trödelmarkt wunderschöne alte Möbelstücke – vielfach leider in einem erbärmlichen Zustand?

Wie oft findet man beim Entrümpeln von Kellern und Speichern oder auch auf dem Trödelmarkt wunderschöne alte Möbelstücke – vielfach leider in einem erbärmlichen Zustand? Sofern kein Totalschaden vorliegen, lohnt sich eine Restaurierung immer. Allein schon wegen des exklusiven Flairs, den alte oder gar antike Möbel in nahezu jedem Wohnambiente verbreiten.

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Handschuhe
  • kleiner Spachtel
  • Schraubzwingen
  • stabile Holzleisten
  • Zwei-Komponenten-Holzknete
  • Schleifpapier

Ein Tipp vorab: Wenn Sie nicht sicher sind, ob sich ein bestimmtes Möbelstück noch reparieren bzw. restaurieren lässt, fragen Sie vorsichtshalber zunächst einen Fachmann. Es muss ja nicht gleich das Exposé eines Restaurators sein. Oft genügt die Erfahrung eines Möbelschreiners oder auch Möbel-Fachverkäufers. Hier erhalten Sie dann meist auch die wichtigen Informationen, wie Sie bei einer Reparatur vorgehen sollten.
Die folgenden Beispiele beschreiben einzelne Reparaturarbeiten. Je nach Zustand Ihres Möbelstücks können natürlich mehrere Arbeiten am gleichen Möbel anfallen.

1. AUSGEBROCHENE ECKEN WIEDERHERSTELLEN

Häufige Schäden an alten Möbeln sind Stellen, an denen das Holz an den Rändern mehr oder weniger stark ausgebrochen ist. Bei Tischen fehlen nicht selten große Teile der Ecken der Tischplatte.

Irreparabel? Weit gefehlt!

Bei korrekter Vorgehensweise und dem Einsatz der richtigen Materialien lassen sich selbst derart gravierende Schäden komplett beheben.

SCHRITT 1:

Reinigen Sie den Tisch zunächst gründlich, um alle Schäden deutlich erkennen zu können.

SCHRITT 2:

Fertigen Sie mithilfe von Holzleisten und Schraubzwingen eine Art Schablone an, um die ursprüngliche Form der Tischecke wieder herzustellen. Hierzu die Leisten entlang der auf die Ecke zulaufenden Tischkanten mit den Schraubzwingen fest anpressen. Müssen größere Teile der Ecke ersetzt werden, sollten Sie die beiden Leisten am Schnittpunkt gegebenenfalls leimen oder mit Nägeln verbinden. Zudem empfiehlt es sich, die daraus entstandene Schablone von unten mit einer kleinen Holzplatte auf Höhe der Unterkante der Tischplatte zu schließen.

TIPP 1: LOSE SCHARNIERE UND SCHRAUBEN REPARIEREN

Zwei-Komponenten Holzknete wird so hart, dass selbst Schrauben und Scharniere stabil darin halten.
Lose Scharniere:

  • Rund um das defekte Scharnier das Holz schützend abkleben
  • Zwei-Komponenten-Knete vermischen, bis die Masse weiß ist (mit Handschuhen)
  • Den Bereich rund um die ausgebrochenen Scharniere mit Knetmasse füllen
  • Die Masse mit einem Spachtel dem Holzprofil anpassen
  • Klebeband entfernen
  • Knetmasse mit Schleifpapier bearbeiten, bis die Oberfläche mit dem Holzprofil identisch verläuft
  • Knetmasse passend zum Holzfarbton streichen (Farbton vorher an Rest getrockneter Knete testen)

Ausgebrochene Schrauben:

  • Erneut Knetmasse anmischen und zu dünnen Rollen formen
  • Rollen fest in die Schraubenlöcher drücken, herausquellende Masse abwischen
  • Schrauben mit Kraft in die noch weiche Knetmasse eindrehen, trocknen lassen

SCHRITT 3:

Anschließend mit Handschuhen (niemals mit ungeschützter Haut) die blauen und gelben Komponenten der aus Eloxidharz bestehenden Zwei-Komponenten-Knete miteinander vermengen, bis sie eine weiße Farbe annimmt.

Nun muss es schnell gehen: Die Masse wird mit einem kleinen Spachtel in die durch Ihre Schablone gebildete Form luftdicht eingefüllt und glatt gestrichen.

Achtung: Die Knete wird nach nur wenigen Minuten hart und lässt sich nicht mehr formen! Dafür lässt sie sich nach dem Trocknen wie Holz schleifen und mit Farbe streichen.

SCHRITT 4:

Nach dem vollständigen Austrocknen der Knetmasse Schraubzwingen und Schablone entfernen und die neue Tischecke mit grobem, anschließend feinem Schmirgelpapier abschleifen, bis sie eine harmonische Fläche mit der Tischplatte bzw. der Tischkante bildet.

SCHRITT 5:

Anschließend die gesamte Tischplatte nach Belieben schleifen und neu lackieren, wachsen oder eine andere Oberflächenbehandlung vornehmen.

2. LACK ERNEUERN

Ist der Lack einmal ab, geben Möbel ein trauriges Bild ab. Doch auch bei erheblichen Lackschäden erstrahlen sie nach der fachgerechten Bearbeitung problemlos wieder im alten Glanz.

Zwei Tipps vorab: Da jede Lackschicht mit Schleifpapier behandelt werden muss, sollten Sie stets mit einem Mundschutz arbeiten. Außerdem bestehen Lacke aus unterschiedlichen Komponenten. Ob sich der neue Lack mit dem alten verträgt, können Sie durch einen kleinen Probeanstrich an einer nicht sichtbaren Stelle prüfen.

Leichte Lackschäden

SCHRITT 1:

Trägt der alte Lack noch und ist nur wenig beschädigt, wird die Oberfläche zunächst mit Seifenlauge und Bürste gründlich gereinigt und mit klarem Wasser abgespült.

Nach dem Trocknen die Lackschicht mit feinem Schmirgelpapier anrauen und den Schleifstaub mit einer weichen Bürste und einem feuchten Lappen entfernen.

SCHRITT 2:

Nun den neuen Lack auftragen. Zuerst alle Ecken und Kanten mit einem Rundpinsel streichen, dann die Flächen mit einem Flachpinsel. Achten Sie auf einen blasenfreien Anstrich. Zum Trocknen das Möbelstück staubfrei stehen lassen.
Starke Lackschäden
Stark verwitterte oder weitgehend abgeblätterte Oberflächen lassen sich nur durch eine Komplettsanierung wiederherstellen.
Kurz gesagt:
Der alte Lack muss runter.

3. ANDERE OBERFLÄCHEN BEHANDELN

SCHRITT 1:

Dazu werden Flächen mit einem Exzenterschleifer und grobem Schleifpapier bearbeitet, Ecken, Kanten und runde Bereiche manuell abgeschliffen. Arbeiten Sie so, dass die Holzmaserung wieder sichtbar wird, ohne diese zu zerstören. Hartnäckige Lackstellen müssen gegebenenfalls mit einem Spachtel oder einer Drahtbürste vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl entfernt werden.

SCHRITT 2:

Entfernen Sie den Staub mit einem Handsauger und/oder einer weichen Bürste sowie einem feuchten Tuch. Dann folgt ein zweiter Schleifvorgang mit einem feinen Schleifpapier. Anschließend den Staub erneut gründlich entfernen.

SCHRITT 3:

Das rohe Holz wird nun mit einer Vorstreichfarbe behandelt. Das verhindert, dass das Holz später zu viel Lack aufsaugt.

SCHRITT 4:

Nun erfolgt die eigentliche Lackierung in der Reihenfolge wie oben beschrieben.

Erneuerung geölter Oberflächen

SCHRITT 1:

Das Holz wird mit Seifenlauge und einer Wurzelbürste gründlich gereinigt und nach dem Trocknen mit feinem Schleifpapier glatt geschliffen.

SCHRITT 2:

Schleifstaub abfegen und feucht abwischen. Dann mit dem passenden Öl (Teak, Mahagoni etc.) dünn streichen und trocknen lassen.

TIPP 2: LEIMEN

Der wohl häufigste Defekt alter Stühle sind lose Zapfen.
Ursache: der alte Holzleim klebt nicht mehr

  • Lösen Sie alle Verbindungen vorsichtig mit einem Gummihammer
  • Der alte Leim muss vollständig vom Zapfen und aus der Zapfenfuge entfernt werden (Schleifpapier, Schraubendreher etc.)
  • Fuge mit frischem Leim füllen, Zapfen leimen und Zapfen einführen
  • Herausquellenden Leim mit einem Tuch abwischen

Zusammenpressen:

  • Verbindung Stuhlbein / Sitzfläche:
  • Stuhl aufstellen und mit einem Gewicht beschweren, bis der Leim getrocknet ist (ca. 30 Minuten)
  • Streben der Rückenlehne werden mit einem Spanngurt zusammengedrückt

Politur und Wachs

Gewachste Oberflächen lassen sich am besten mit Terpentinöl bearbeiten.

  • Das Öl mit einem Schwamm auftragen und einziehen lassen, bis sich das Wachs löst. Dieses mit einem feuchten Tuch abwischen und das Möbelstück trocknen lassen.
  • Anschließend das neue Möbelwachs (z.B. Hartwachs) auftragen. Nach rund 30 Minuten das nicht eingezogene Wachs mit einem Lappen abwischen.
  • Für die perfekte Oberfläche können Sie nach dem vollständigen Austrocknen (Fingerprobe) das Holz mit feinem Schleifpapier bearbeiten und danach den Staub entfernen.
  • Dann folgt ein zweiter Wachsauftrag. Wieder nach 30 Minuten abwischen und austrocknen lassen.

Politur, z.B. Schellack wird auf die gleiche Weise erneuert – allerdings kommt zum Entfernen der alten Politur Spiritus zum Einsatz. Es ist meist nur ein Politurauftrag nötig. Nach dem Auftragen der neuen Politur wird die Fläche mit einem trockenen Baumwolltuch glänzend poliert.

Stuhlpolster reparieren

Ein Riss im Polster ist nicht das Ende eines antiken Stuhls.

SCHRITT 1:

Lösen Sie die Sitzfläche von der Rückenlehne und den Stuhlbeinen. Mit Zapfen verleimte Verbindungen werden mit dem Gummihammer, geschraubte Verbindungen mit dem Schraubendreher vorsichtig gelöst. Dann das defekte Polster von der Sitzfläche entfernen.

SCHRITT 2:

Legen Sie das neue Schaumstoffpolster auf eine ausreichend große Arbeitsfläche. Die Sitzfläche des Stuhls darauflegen und die Umrisse auf dem Schaumstoff markieren.

SCHRITT 3:

Sitzfläche beiseitelegen und das Polster mit dem Cuttermesser entlang der Markierung sauber ausschneiden. Das ausgeschnittene Polster wird nun mit dem Klebeband auf der Sitzfläche fixiert.

SCHRITT 4:

Die Polsterfläche mit Sprühkleber einsprühen, das Vlies mit Überstand faltenfrei auflegen und andrücken. Der Vliesüberstand wird dann auf der Unterseite der Sitzfläche fixiert (Klebeband, besser Tacker) und die Reste abgeschnitten.

SCHRITT 5:

Zum Schluss den Polsterstoff zuschneiden (Maß der Sitzfläche mit ausreichend Überstand), faltenfrei aufziehen und ebenfalls auf der Sitzunterseite mit dem Tacker sicher befestigen.

Furnier ausbessern

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Cuttermesser
  • Filzstift
  • Schraubendreher
  • Tacker
  • Stoffschere
  • Gummihammer
  • Schaumstoffpolster
  • Vlies
  • Polsterstoff
  • doppelseitiges Klebeband
  • Sprühkleber

Ein typischer Schaden an alten Möbeln: lose Furniere, Furniere mit Blasenbildung, fehlende Furnierstellen. Dank neuer Furniere zum Aufbügeln lassen sich solche Schäden schnell und problemlos beheben.
Vereinzelte Blasen können Sie mit einem Messer vorsichtig anheben und mit Holzleim hinterfüllen. Dann das Furnier mithilfe eines kleinen Holzklötzchens fest andrücken. Den herausquellenden Leim mit einem Tuch gründlich abwischen, solange er noch flüssig ist.

TIPP 3: KEINE SCHRAUBEN, KEINE NÄGEL

Speziell sehr alte Möbel wurden vielfach nur mit Zapfenverbindungen gefertigt – ganz ohne Nägel und Schrauben. Wann immer möglich, sollten Sie bei der Restaurierung diesen antiken Charme beibehalten.
Falls dies aus statischen Gründen nicht klappt:

  • Bohren Sie an den relevanten Stellen kleine Löcher vor
  • Fixieren Sie die Möbelteile dort mit Holzschrauben
  • Drehen Sie die Schrauben vorsichtig so weit in das Holz, dass der Schraubenkopf minimal versenkt ist
  • Achtung: Das Holz darf nicht spleißen!
  • Den versenkten Schraubenkopf mit Holzspachtel abdecken
  • Holzspachtel abschmirgeln und farblich passend streichen
  • Die Stabilität ist wiederhergestellt, die Schrauben bleiben unsichtbar

Furniere ganz oder stellenweise ersetzen:

  • Entfernen Sie das lose Furnier vorsichtig mit einem Beitel
  • Die Bruchränder werden mit einem schrägen Schnitt (45°) sauber begradigt
  • Das neue Furnier ebenfalls schräg abschneiden, präzise an die Schnittkante ansetzen
  • Das auf maximale Hitze vorgeheizte Bügeleisen aufsetzen und das Furnier aufbügeln
  • Zum Schluss mit einem Holzklotz anpressen und Überstände ggf. abschneiden

TIPP 4: KLEINREPARATUREN

Kleinere Kratzer, Risse und Kerben lassen sich schnell und einfach mit Wachskitt ausbessern:
Mit dem Spachtel auftragen, schleifen, streichen, fertig.
Bei oberflächlichen Kratzern können Sie auch einfach einen farblich exakt passenden Retuschierstift verwenden.
Für größere Schäden eignet sich Holzspachtel.
Brandstellen von Kerzen, Zigaretten etc. können mit einem Dremel ausgeschliffen werden. Mit Acryllack bis auf die Anpassung an die bestehende Oberfläche austupfen und polieren.
Wiederherstellung des Original-Looks
Wurden alte Möbel im Laufe ihres Lebens mehrfach überstrichen, ist der ursprüngliche Charme dahin.
So entfernt man die (Lack-)Farbe:

  • Abbeize mit Wasser klumpenfrei verrühren, quellen lassen, erneut umrühren
  • Mischung mit dem Spachtel 3 mm dick auf das Möbelstück auftragen
  • Das neue Furnier ebenfalls schräg abschneiden, präzise an die Schnittkante ansetzen
  • Je nach Stärke der (Lack-)Farbschicht mehrere Stunden einwirken lassen
  • Abbeize samt Farbschichten mit dem Spachtel entfernen
  • Möbelstück feucht abwischen, trocknen lassen, abschleifen und die Oberfläche nach Wunsch behandeln (Wachsen, Ölen, Lackieren etc.)

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