Tapezieren - Wand tapezieren - Werkzeug & Material

Mit einer neuen Tapete setzen Sie auch gleich ganz neue Akzente in Ihrem Zuhause.

Mit einer neuen Tapete setzen Sie auch gleich ganz neue Akzente in Ihrem Zuhause. Farben, Muster und Tapetenmaterial eröffnen unendlich viele Möglichkeiten, Ihrer Wohnung auf recht günstige Weise ein gründlich verändertes Gesicht zu geben.

Dabei gilt speziell für Tapezier-Neulinge die beruhigende Faustregel: „Das Einfachste am Tapezieren ist das Tapezieren selbst.“
Denn es gibt für Sie deutlich mehr in der Planung und Vorbereitung zu beachten als letztlich beim tatsächlichen handwerklichen Arbeiten.
Das beginnt bei der richtigen Vorbereitung des Untergrundes, geht über die unterschiedlichen Tapetenarten und Oberflächenstrukturen sowie deren Einsatzmöglichkeiten und endet beim Themenkomplex Muster und Raumgestaltung.

1. UNTERGRUND PRÄPARIEREN

Tapeten benötigen einen absolut ebenen, glatten, sauberen, trockenen und staubfreien Untergrund. Gipsputz, Gipsplatten und auch Spanplatten sind ideale Grundlagen.
Häufig jedoch sind genau diese Voraussetzungen nicht gegeben – und Sie müssen zunächst dafür sorgen.

UNTERGRÜNDE UND VORGEHENSWEISEN:

Tapete auf Tapete:
Auch wenn es immer wieder vorkommt: Die Haftung ist nicht optimal und beim nächsten Tapezieren werden Sie große Probleme mit dem Entfernen bekommen. Daher generell besser vorher die alte Tapete entfernen.

Tapete auf Dispersionsfarbe:
Ist die Farbe noch vollkommen in Ordnung und haftet perfekt: einfach übertapezieren. Brüchige Farbe muss jedoch runter. Hierzu die Farbe mit Wasser einweichen und abspachteln.
Tapete auf Lack und Ölfarbe:
Sie bieten mangels Saugfähigkeit keine Haftung für den Kleister. Unbedingt abschleifen und sicherheitshalber mit Rollen-Makulatur überkleben.

  • Rollen-Makulatur: eine Art neutrale, glatte Papiertapete, die u. a. unter hochwertigen Übertapeten aufgebracht wird und eine optimale, saugfähige Grundlage für die eigentliche Tapete bietet.
  • Der Test: Untergrund mit Wasser befeuchten – zieht es langsam ein, ist alles in Ordnung. Perlt es ab, müssen Sie eine Rollen-Makulatur anbringen. Zieht es blitzschnell ein, kleistern Sie zusätzlich zur Tapete vorsichtshalber auch die Wand vor.

Tapete auf Putz:
Gips- und Zementputz sind hervorragende Untergründe. Alter, sandiger und brüchiger Putz wird dagegen jedoch null Haftung bieten. Eine Möglichkeit ist, den Putz mit Tiefengrund zu präparieren.
Risse, Löcher und andere Schäden müssen Sie zudem mit Spachtelmasse füllen und glatt spachteln.

TIPP 1: ALTE TAPETEN ENTFERNEN

Nicht immer ist es ein reines Vergnügen, alte Tapeten zu entfernen, um der Wohnung ein neues Gesicht zu verleihen. Mit etwas Glück lässt sich die alte Tapete leicht und komplett von der Wand abziehen. Leider ist dies allerdings die Ausnahme.
Die Tapete spaltet sich beim Abreißen in Ober- und Unterschicht?
Ist die untere Schicht noch absolut intakt: einfach dranlassen – einen besseren Untergrund werden Sie nicht mehr finden.
Geht die Tapete nur bruchstückweise ab?
Weichen Sie die Tapete mit Tapetenlöser und Quast gründlich ein. Dann sollte es nach dem Einweichen besser gehen.

Die alte Tapete nimmt dabei aber keine Feuchtigkeit auf (mehrere Tapeten kleben übereinander, die Tapete ist mit Latexfarbe überstrichen etc.)?
Perforieren Sie die Tapete vor dem Einweichen mit einer speziellen Stachelwalze, sodass das Lösemittel tief in das Material eindringen kann.
Es hilft immer noch nicht?
Das ist Pech. Nun bleibt Ihnen nur noch die schlimmste aller Möglichkeiten: Spachtel, Löser, Geduld und Spucke. Sie müssen die Tapete Stück für Stück herunterkratzen und dabei immer wieder einweichen.

2. VORBEREITUNGEN

WERKZEUG UND MATERIAL GENERELL

  • Tapeziertisch oder Tapeziermaschine
  • Quast
  • Zollstock
  • Bleistift
  • Schere
  • Eimer
  • Auf Tapetenart abgestimmter Kleister

Bevor es ans Tapezieren geht, müssen einige Vorarbeiten erledigt werden.

SCHRITT 1:

Bahnlängen bestimmen. Nach dem Messen der Wandhöhe legen Sie die Tapetenrolle (Rückseite nach oben) auf dem Tapeziertisch aus und messen die Bahnlänge PLUS 10 cm Überstand mit dem Zollstock ab. Mit Bleistift markieren und entlang der Markierung abschneiden.

Diese Bahn an die Rolle anhalten und die nächsten Bahnen identisch zuschneiden, sofern sie gleich lang sind. Neue Bahnlängen z. B. unter Fenstern etc. müssen neu gemessen und geschnitten werden.

SCHRITT 1A:

Mustertapete

Bei einer Mustertapete kommt es darauf an, wie das Muster gestaltet ist.
In jedem Fall erst eine Bahn auf Länge zuschneiden und mit dem Muster nach oben auf dem Boden auslegen. Die Rolle daran anlegen und entsprechend der vorgesehenen Musterung anpassen. Erst dann die Bahn in der richtigen Länge zuschneiden und – ganz wichtig – die einzelnen Bahnen mit dem Bleistift durchnummerieren!
Die Musterbestimmung (= Rapport) ist auf den Tapetenrollen mit bestimmten Symbolen gekennzeichnet, die unbedingt einzuhalten sind:

SCHRITT 2:

Nun den Kleister mit Wasser und einem Rührstock im Eimer anrühren – lieber etwas zu dick als zu wässrig! Der Kleister muss ein paar Minuten quellen. Danach werden die Bahnen mit der Tapeten-Vorderseite nach unten auf den Tapeziertisch gelegt und die Rückseiten Bahn für Bahn gründlich mit einem Quast eingekleistert. Hierbei immer von der Mitte zum Rand arbeiten und Ränder und Enden besonders gut einkleistern.

SCHRITT 3:

Die Bahn vorsichtig auf der gekleisterten Seite falten (½ zu ½, dann umschlagen oder 2/3 zu 1/3 falten). Dabei müssen Sie darauf achten, dass die Ränder exakt übereinander liegen, um nicht auszutrocknen. Und dass die Vorderseite keinen Kleister abbekommt. Notfalls diesen mit einem Lappen abwischen. Die Bahn muss nun 10-15 Minuten ruhen.

Übrigens: Vliestapete wird nicht eingekleistert! Stattdessen können Sie hier gleich die Wand mit dem Quast und einem speziellen Vliestapetenkleber einkleistern, die Vliestapete an die Wand anhalten, mit einer Walze andrücken und Überstände abschneiden. Eine extrem unkomplizierte und schnelle Alternative.

3. WAND TAPEZIEREN

WERKZEUG UND MATERIAL GENERELL

  • Tapeziertisch
  • Tapezierbürste
  • Tapezierschere und -messer
  • Zollstock
  • Bleistift
  • Senklot
  • Gummi- oder Tapetenrolle
  • Nahtroller
  • Leiter
  • (gekleisterte) Tapete

Wie gesagt, das eigentliche Tapezieren ist in der Regel eine recht unkomplizierte handwerkliche Übung – auch bei zuvor korrekt ausgelegten und zugeschnittenen Mustertapeten!
Arbeiten Sie immer „vom Fenster weg“. So werfen Nähte keine Schatten. Und beginnen Sie immer an einer geraden, möglichst vollflächigen Wand und dort in einer Ecke.

SCHRITT 1:

Mit Senklot und Bleistift markieren Sie zunächst eine Bahnbreite von der ersten geplanten Bahn, Ihre senkrechte Orientierungslinie.

SCHRITT 2:

Mit der ersten Bahn nun auf die Leiter steigen, die Bahn am oberen, zusammengeklappten Teil entfalten und mit etwas Überhang an der Decke sowie entlang Ihrer Lot-Markierung ansetzen. Leicht mit der Bürste andrücken und den Rest der Bahn bis unten hin weiter entfalten.

SCHRITT 3:

Nun können Sie die Bahn mit der Bürste komplett andrücken. Dabei gehen Sie von der Mitte aus und arbeiten sich in alle Richtungen zu den Seiten vor. Achten Sie darauf, dass Sie alle Luftbläschen herausdrücken und die Bahn sich nicht verschiebt.

SCHRITT 4:

Nun werden die Überhänge entfernt. Hierzu mit dem Scherenrücken an der Decken- und anschließend an der Boden-/Sockelkante die Tapete genau in der Falz eindrücken und so markieren. Schlagen Sie die Tapete dann wieder ein Stück um und kürzen Sie sie mit der Schere entlang Ihrer Markierung. Dann wird die Tapete wieder angedrückt und mit der Bürste fixiert.

SCHRITT 5:

Die nächste Bahn folgt. Sie wird „auf Stoß“ angebracht, das heißt ohne Überschneidung exakt an die erste Bahn angelegt. Nach dem Andrücken dieser Bahn sollten Sie die Naht mit einem Nahtroller entlangfahren und diese somit zusätzlich fest andrücken.

Überschüssiger oder herausquellender Kleister wird sofort mit einem Tuch entfernt.

4. ECKEN, TÜREN UND FENSTER TAPEZIEREN

Etwas kniffliger wird das Tapezieren an Ecken und anderen „Problem“-Stellen.

Außenecken:
Bei Außenecken sollten Sie möglichst so arbeiten, dass die jeweils anstoßende Bahn exakt mit der Ecke abschließt.
Das können Sie mit einem präzisen Nachschneiden sicherstellen. Nur notfalls: Lassen Sie einen kleinen Überstand Tapete stehen. Diesen mit der Schere an einigen Stellen einschneiden, um die Ecke umschlagen und andrücken. Die neue Bahn bis zur Ecke überkleben.

Innenecken:
Ebenfalls mit einem eingeschnittenen Überhang arbeiten. Dieser wird von der neuen Bahn jedoch überklebt und diese exakt bis in die Ecke angelegt.

Türen:
Die letzte Bahn vor dem Türrahmen wird auf die genaue Breite PLUS Überstand zugeschnitten. Den Überstand wieder mit dem Scherenrücken an der Falz kennzeichnen und abschneiden. Den breiteren Tapetenteil oberhalb des Türrahmens einschneiden und sauber um die Ecke des Türrahmens kleben. Dann wird die nächste, kurz geschnittene Bahn auf Stoß angesetzt. Die Übergangsbahn vom Rahmen zur Restwand wird dann wieder auf Breite geschnitten und bis zum Boden herunter tapeziert.

TIPP 2: DIE RICHTIGE MENGENBERECHNUNG

In der Regel sind alle Tapetenarten als Rollenware in einer Breite von 53 cm erhältlich. Die Länge der Rolle beträgt als genormte Euro-Rolle in der Regel 10,05 m. Macht 5,33 m² Fläche.
Lediglich Raufaser ist in Rollen von 17 oder 33 m erhältlich. Macht 9 m² bzw. 17,49 m² Fläche.
Zur Berechnung der Anzahl von Tapetenrollen messen Sie zunächst die Wandhöhe und den Gesamtumfang aller Wände eines Raumes. Türen und Fenster einfach mitmessen – die überschüssige Tapete dient Ihnen dann als Ersatz bei Verschnitt etc.
Die Grundrechenformel lautet immer: Raumumfang x Raumhöhe = Rollenfläche
Das heißt:
Wände: Raumumfang x Raumhöhe : 5 = XX Euro-Rollen
Decken: Raumlänge x Raumbreite : 5 = XX Euro-Rollen
Mustertapeten werden wegen des Rapports und Verschnitts wie folgt berechnet:
Raumumfang x Raumhöhe : 4,5 = XX Mustertapeten-Rollen
Raufaser (33 m Länge): Raumumfang x Raumhöhe : 17 = XX Rollen Raufaser
Falls möglich, kaufen Sie immer eine Rolle mehr als errechnet, um Reserven zu haben. Bei Mustertapeten zwei Reserverollen.
Beispiel: Für einen Raum von 2,5 m Höhe und 20 m Umfang benötigen Sie für die Wände:
-> 10 (plus 1) = 11 Rollen Tapete
-> 11 (plus 2) = 13 Rollen Mustertapete
-> 3 (plus 1) = 4 Rollen Raufaser von 33 m Rollenlänge

TIPP 3: KNIFFLIGE STELLEN

Immer wieder werden Sie beim Tapezieren auf kleinere Probleme stoßen, die sich aber zumeist ganz leicht lösen lassen.

Steckdosen/Lichtschalter
Statt eines mühsamen „Drumherum-Tapezierens“ und Zuschneidens lassen sich Steckdosen und Schalter viel einfacher mittapezieren:

  1. Auf jeden Fall zuerst den Strom abschalten. Dann die Steckdosen-/Schalter-Blenden vor dem Tapezieren entfernen.
  2. Einfach über die freien Schalter hinwegtapezieren.
  3. Mit einem Teppichmesser die Tapete an den entsprechenden Stellen in X-Form einschneiden. Tapete dann mit der Schere nur soweit wegschneiden, dass das Loch später unter der Blende verschwindet.
  4. Blende über der Tapete wieder anbringen – eine saubere Lösung ohne Übergänge und Schnittkanten.

Rohre/Heizungsrohre
Die einfachste Lösung ist, die Tapete zunächst exakt anzuhalten und dann an den entsprechenden Stellen einfach einzuschneiden. Den Schlitz über die Rohre führen und dahinter nahtfrei zusammenfügen.

Heizung
In den meisten Fällen – wo die Heizung an der Wand montiert ist – werden Sie keinen Platz haben, die Tapete mit der Bürste gerade und glatt hinter dem Heizkörper anzudrücken.

  1. Nur bei kaltem Heizkörper arbeiten.
  2. Tapetenbahnen ab Heizkörper-Oberkante in Längsstreifen einschneiden.
  3. Die einzelnen Streifen lose hinter der Heizung herunterhängen lassen.
  4. Mit einer langstieligen Rolle oder einem Pinsel vorsichtig andrücken. Dabei mit den Händen die Nahtstellen so weit wie möglich zusammendrücken.

Ist hinter dem Heizkörper gar kein Platz, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Tapete mit einem Überstand von wenigen Zentimetern an der Oberkante abzuschneiden und den Überstand mit Pinsel, einem flachen, stumpfen Gegenstand oder den Fingern so weit wie möglich hinter dem Heizkörper an der Wand anzukleben.

Dübellöcher
Werden nach dem Tapezieren alte Dübellöcher noch einmal benötigt, um Regale etc. wieder anzubringen, hilft ein kleiner Trick, um sie wiederzufinden:

  1. Befestigen Sie vor dem Tapezieren Zahnstocher oder ähnlich spitze Gegenstände im Dübelloch.
  2. Dann einfach übertapezieren und die Tapete an den Stellen, wo die Spitzen aus der Tapete ragen, mit einem spitzen Schraubenzieher oder dem Teppichmesser einritzen.

5. DECKEN TAPEZIEREN

Das Wichtigste vorweg:
Diese Arbeit gelingt nur zu zweit! Zuzüglich einer zweiten Leiter sowie eines sauberen und weichen Besens. Zunächst wird die gekleisterte Tapetenbahn wie eine Ziehharmonika klein zusammengefaltet.
Das Tapezieren erfolgt immer in der Flucht eines Fensters bzw. des Lichteinfalls. Hierzu eine horizontale Linie an der Decke kennzeichnen und daran entlangtapezieren.

Eine Person legt die Tapete an der Falz an und entfaltet sie nur einen kleinen Teil. Während die zweite Person die Tapete mit dem Besen andrückt, greift die erste Person die restliche Bahn und drückt sie mit der Bürste Stück für Stück der Markierung entlang an. Überstände werden zum Schluss wieder mit der Schere abgeschnitten.

Die nächste Bahn wird ebenso und wieder auf Stoß angebracht.

TIPP 4: OPTISCHE TRICKS

Bordüren:
Bordüren können eine Wand auf schicke Weise optisch aufteilen.

  • Die Position der Bordüre wird vor dem Tapezieren mit Wasserwaage und Bleistift markiert.
  • Dann die Tapete von unten (und gegebenenfalls bei mittig gesetzten Bordüren) von oben bis zur Markierung verkleben.
  • Die Bordüre zum Schluss sauber dazwischensetzen.
  • Die Nähte mit dem Nahtroller andrücken, Kleister abwischen.
  • Wem das zu unsicher ist, der tapeziert die Wand erst durchgängig und schneidet den Bordürestreifen mit Cutter und Wasserwaage nachträglich exakt aus der angebrachten Tapete aus, solange der Kleister noch nicht angetrocknet ist.

Muster:
Mit Ihren Tapetenmustern und Farben können Sie ganz einfach eine neue Raumwirkung erzielen:

  • Unerwünscht hohe Räume wirken mit horizontalen (Streifen-)Mustern niedriger.
  • Niedrige Räume wirken umgekehrt mit senkrechten Mustern höher.
  • Große Räume erscheinen mit großen Mustern, Bordüren und kräftigen Farben enger und gemütlicher.
  • Bei kleinen Räumen wirken dezente Farben und Muster an den Seitenwänden und einer uni Stirnwand tiefer und großzügiger.

Schäden:
Kleinere Schäden müssen nicht zwangsläufig zu großen Tapezieraktionen führen:

– Luftblasen:
Vorgewölbte Stellen mit Lufteinschluss einfach mit einer Einwegspritze voll Kleister einstechen, Kleister sanft einspritzen und die Tapete mit der Bürste wieder andrücken.

– Stellen ausbessern:
Ist ein Stück Tapete beschädigt oder unansehnlich, schneiden Sie aus einem Reststück ein passendes Quadrat aus, halten es an die entsprechende Wandstelle und markieren das Feld mit Bleistift. Nun die alte Tapete mit einem Tapetenmesser sauber ausschneiden, das neue Quadrat samt Kleister einpassen, andrücken und die Nähte nachziehen.

Zurück

© 2018 Praktiker.de Alle Rechte vorbehalten.