Teppich und PVC-Boden selbst verlegen

Teppichboden ist nach wie vor der meistverlegte Bodenbelag – warm, trittsicher, schalldämpfend und dekorativ. Als günstige und pflegeleichte Alternative bietet auch PVC angenehmen Wohnkomfort.

Teppichboden ist nach wie vor der meistverlegte Bodenbelag – warm, trittsicher, schalldämpfend und dekorativ. Als günstige und pflegeleichte Alternative bietet auch PVC angenehmen Wohnkomfort. Und das Schönste: Beide lassen sich recht unkompliziert verlegen.

1. TEPPICHBODEN

WERKZEUG UND MATERIAL GENERELL

  • Teppichmesser mit Hakenklinge
  • Zollstock
  • Schere

BEIM LOSEN VERLEGEN:

  • Doppelseitiges Teppich-Klebeband

BEIM FESTEN VERLEGEN:

  • Teppichspanner
  • Teppichfixierer und glatte Schaumrolle
  • Teppichkleber und Zahnspachtel
  • Haftgitterfolie

BEIM ANBRINGEN VON FUSSLEISTEN UND ÜBERGÄNGEN:

  • Fußleisten
  • Übergangsschienen
  • Bohrmaschine
  • Dübel
  • Schrauben
  • Säge
  • Akkuschrauber

Dank modernster Faser- und Produktionstechniken erfüllen Teppichböden heutzutage alle Voraussetzungen eines universellen Bodenbelags. Es gibt spezielle Teppichböden für Allergiker, für Fußbodenheizung geeignete Varianten und feuchtigkeitsverträgliche Sorten für Bad und Küche. Bleichmittelbeständige und flüssigkeitsundurchlässige Teppiche erfüllen sogar hohe Hygieneanforderungen im Gesundheitswesen. Mit leitfähigen Fasern verhindern bürotaugliche Teppichböden elektrostatische Aufladungen. Ganz allgemein prägen Teppichböden mit ihren zahlreichen Farbtönen und Mustern natürlich immer auch wesentlich das Wohnambiente.

2. MATERIALIEN

Teppichböden (von der Rolle) bestehen aus einer unteren Trägerschicht und einer oberen Nutzschicht. In weit mehr als 2/3 aller Fälle werden beide Schichten durch „Tufting“ (= Sticken) miteinander vernäht. Nur wenige, meist teurere Teppiche werden noch klassisch gewebt.

Bleiben beim „Tufting“ die Garne und Fäden geschlossen, spricht man von Schlingenware. Schlingenware ist als rustikale und unempfindliche Lösung ideal für Kinderzimmer und Büro geeignet.

Wird dieser Schlingenflor im Produktionsprozess maschinell aufgeschnitten, entsteht Schnittflorware oder Velours mit seiner samtig-weichen Oberfläche – die erste Wahl für Wohn- und Schlafzimmer.

Als Schnittschlinge bezeichnet man die Kombination beider Verfahren. Je nach Höhe und Dichte der Ware eignet sie sich für hohe Beanspruchungen sowie als behaglicher Wohnzimmerbelag.

3. TEPPICHBODEN VERLEGEN

Teppichboden benötigt einen festen, trockenen, ebenen und rissfreien Untergrund.
Estrich, PVC, Holz – Teppichboden kann auf nahezu jede Unterlage verlegt werden. Unebenheiten und Risse im Untergrund werden vor dem Verlegen mit Spachtelmasse ausgeglichen, alte Kleberreste mit einem Spachtel entfernt und eine glatte Oberfläche geschaffen. Mit dem Staubsauger sollten Sie abschließend den Untergrund gründlich reinigen. So berechnen Sie Ihren Teppichbedarf: Raumlänge x Raumbreite einschließlich aller Nischen und Erker plus 30 cm Reserve in der Länge. Zur Verlegung stehen Ihnen zwei grundverschiedene Techniken zur Verfügung: loses Verlegen mit Teppichklebeband sowie festes, vollflächiges Verkleben mit Fixierer, Teppichkleber oder Haftgitter. Ganz gleich, welche Variante Sie wählen, die ersten Arbeitsschritte sind bei allen identisch.

SCHRITT 1:

Der grob passend zugeschnittene Teppich wird zunächst bis in alle Ecken und Winkel lose auf der Fläche ausgelegt. Bei mehreren Bahnen diese eng aneinanderlegen. Beulen und Ausbuchtungen mit den Händen zum Rand hin wegdrücken, bis der Teppichboden möglichst plan aufliegt. Dann den Teppich möglichst über Nacht ruhen lassen – er „legt“ sich und passt sich ans Raumklima an.

SCHRITT 2:

Teppich lose verlegen. Der Teppich wird hierbei lediglich am Rand und wenigen kritischen Stellen mit doppelseitigem Klebeband auf dem Boden fixiert.

SCHRITT 2A:

Hierzu den Teppichboden an den Rändern hochklappen und das Klebeband rundherum an den Raumwänden auf den Boden aufkleben. Die Schutzschicht zunächst nicht entfernen. Dann legen Sie den Teppich exakt an einer Stirnwand und einer Raum- ecke an. Wenn er passt, Teppich umschlagen, Klebeband-Schutzschicht entfernen und den Teppichboden auf dem Klebestreifen andrücken.

SCHRITT 2B:

Drücken Sie den Teppich nun durch Schieben mit Ihren Händen an der äußeren Längswand entlang in Richtung gegenüberliegende Stirnwand sowie zur Raummitte. Hierbei schieben Sie Beulen und Falten heraus. Dann an der Längswand verkleben. Die Überstände an der zweiten Stirnwand und den Ecken werden mit dem Teppichmesser präzise zugeschnitten. Dabei den Teppichüberstand mit der Scherenrückseite fest in die Falz drücken, vorklappen und entlang der Markierung abschneiden. Schutzfolie entfernen und zunächst in der Ecke und dann die Stirnwand entlang bis in die nächste Ecke ankleben.

SCHRITT 2C:

Zum Schluss unter weiterem Herausdrücken aller Unebenheiten, Beulen und Falten wird die zweite, türseitige Längswand passend geschnitten und festgeklebt.
Teppich lose verlegen
Loses Verlegen empfiehlt sich bei Räumen bis 25 m², wenn der alte PVC-/Holz-/Teppichuntergrund liegen bleibt und wenn Sie den Teppich beim Umzug später einmal mitnehmen möchten. Da eine vollflächige Verklebung fehlt, kann er sich jedoch bei hoher Belastung sowie Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen beulen. Daher besser in Kinderzimmer, Büro oder Bad nicht lose verlegen.
Alternative:
Teppich vollflächig verkleben:
Dies ist die aufwendigste, aber auch gründlichste Form der Verlegung. Der Teppichboden wird mit Kleber lückenlos auf dem Boden fixiert. Beim Kleber müssen Sie unbedingt die Hinweise des Herstellers in Verbindung mit Ihrer Teppichsorte und dem genutzten Raum beachten (Feuchtraum, Fußbodenheizung etc.) Das Anlegen des Teppichs erfolgt in der gleichen Reihenfolge wie beim losen Verlegen.

Klappen Sie die Teppichbahn bis zur Raummitte zurück. Dann den Kleber mit dem Zahnspachtel auf den Estrich auftragen, die vom Hersteller vorgeschriebene Auslüftzeit abwarten, den Teppichboden auf das Kleberbett schieben und die Überstände abschneiden.
Je nach Klebersorte müssen Sie hier allerdings extrem sauber und schnell arbeiten, da einmal festklebende Teppiche sich nicht mehr schadenfrei lösen lassen.
Das Verkleben empfiehlt sich bei Estrichböden, bei Fußbodenheizung, hohen Belastungen durch spielende Kinder, Bürostühle etc. sowie in Feuchträumen wie Bad und Küche. Beim Entfernen des Teppichbodens wird dieser jedoch unbrauchbar und Kleberreste müssen gegebenenfalls mit dem Spachtel abgekratzt werden.

Als weitere Verklebe-Optionen können Sie einen speziellen Teppichfixierer mit der Rolle auftragen oder ein auf dem gesamten Boden verlegtes, doppelseitig klebendes Haftgitter verwenden. Die Arbeitsabläufe entsprechen denen des Verklebens mit Teppichkleber. Haftgitter bieten den Vorteil, dass sich der Teppich später rückstandsfrei wieder entfernen lässt. Auch eine anschließende, zweite Verklebung ist hierbei möglich.

TIPP 1: VERLEGEN MEHRERER BAHNEN

Die Nahtlinie möglichst immer senkrecht zum größten Lichteinfall/dem Fenster verlaufen lassen.

Für einen identisch sauberen Rand beide Bahnen überlappend an einer geraden Stahlschiene entlang ohne abzusetzen mit dem Teppichmesser durchschneiden (langflorige Teppiche besser einzeln schneiden). Die Bahnen werden anschließend exakt parallel aneinandergelegt.
Bei loser Verlegung mittig darunter einen Streifen doppelseitiges Klebeband platzieren und die Teppichränder, eng aneinandergeschoben, darauf fixieren.

Bei Verklebung die Naht mithilfe eines Teppichspanners so dicht verbinden, dass sie optisch kaum noch auszumachen ist.

4. FEINARBEITEN

Leisten und Übergänge

Als schicke Alternative zu klassischen Sockelleisten können Sie mit Kunststoffprofilen den Teppichverlauf an der Wand aufnehmen. Die Profile werden mit Dübeln an der Wand fixiert und ein Teppichstreifen eingeklebt.

Übergänge von Teppich zu Fliesen oder Laminat im Türbereich lassen sich mit Übergangsschienen (aus Messing) schnell und elegant verkleiden. Bei deutlich unterschiedlichen Höhen vom Teppich zum angrenzenden Bodenbelag sollten Sie höhenverstellbare Schienen verwenden.

Flecken und Schäden

Rotweinflecken, Ei, Fett oder Wachs bedeuten nicht das Ende Ihres Teppichs – solange sie blitzschnell Gegenmaßnahmen einleiten. Diverse Reinigungsmittel wie Küchentuch, Fleckenwasser, Feinwaschmittel und Wasser haben sich als effektive Hilfsmittel bewährt. Bei Rotwein nimmt zudem Haushaltssalz viel von der Flüssigkeit auf. Auch bei Brandlöchern oder vergilbten Stellen muss nicht gleich der gesamte Teppich raus – sofern Sie es sich zur Regel machen, Teppichreste grundsätzlich aufzubewahren!

Kleine Schadstellen können mit Hammer und Locheisen herausgestanzt werden. Mit dem gleichen Werkzeug dann aus einem Reststück ein identisch großes Stück ausstanzen und in die Schadstelle einkleben.

Größere Stellen lassen sich sauber mit dem Teppichmesser herausschneiden und durch ein mit passender Florrichtung und Musterung ausgewähltes Reparaturstück ersetzen. Dieses wird dann mit doppelseitigem Klebeband eingearbeitet.

Zeigt sich trotz gründlichster Verlegung und Verklebung irgendwo eine Beule, rücken Sie dieser mit einersimplen Einwegspritze zu Leibe.

Mit dem Teppichmesser die Beule leicht einritzen, Spritze mit Kleber füllen, diesen unter die Beule spritzen und den Teppich wieder andrücken.

5. PVC

PVC (Polyvinylchlorid) ist ein Kunststoff, dem für elastische Beläge verschiedene Weichmacher beigefügt wurden. PVC-Böden sind günstig und in vielen attraktiven Musterungen erhältlich: vom klassischen Schachbrett über verwegene CamouflageOptiken bis zum rustikalen Holzdekor. PVC ist ausgesprochen pflegeleicht, abriebfest und besitzt sehr gute Wärmeflusseigenschaften.
Materialien
Im privaten Wohnbereich wird in der Regel PVC-Belag mit einer Unterlage aus PUR-Schaum, Kork oder Vlies verwendet. Diese Schichtstruktur besitzt eine gute Schallisolierung, dämpft den Auftritt und schützt gegen „kalte Füße“. Trägerfreies PVC findet eher im gewerblichen Bereich Anwendung.
PVC-Boden verlegen
Im Prinzip wird PVC wie Teppichboden verlegt, also entweder lose oder durch vollflächige Verklebung. PVC ist jedoch etwas widerborstiger und steifer als Teppich. Ein Ausbeulen kommt daher häufiger vor. Verlegearbeiten bei 18-20 ̊C halten den Kunststoff geschmeidig. Zuvor muss – wie immer – der Untergrund so präpariert werden, dass er trocken, eben, rissfrei und staubfrei ist.

Auch Holz- und Fliesenböden können als Unterlage für einen PVC-Belag genutzt werden.

Beim Werkzeug ist der einzige, wesentliche Unterschied, dass Sie zum PVC-Schneiden ein Teppichmesser mit gerader Trapezklinge benötigen. Auch das Vermessen des Mengenbedarfs ist identisch: maximale Raumlänge x maximale Breite inkl. aller Nischen und Erker plus je 20-30 cm Reserve. Werden mehrere Bahnen mit festen Mustern benötigt, rechnen Sie Rapport und Verschnitt hinzu.

Wenn Sie den PVC-Boden in kleineren Räumen lose verlegen möchten und den Belag lediglich mit doppelseitigem Klebeband an den Rändern fixieren wollen, hilft ein kleiner Trick gegen unerwünschte Beulen: Kleben Sie zusätzlich zu den Rändern das Klebeband auch in Form eines großen X von einer Raumecke zur anderen. Das müsste bei 20-25 m² Fläche sehr gut funktionieren, zumal Sie hierbei zumeist mit einer Bahn auskommen.

Bei zwei Bahnen werden die Verbindungsnähte mittig auf einem Streifen doppelseitiges Klebeband auf Stoß fixiert. Alle größeren Räume sollten Sie vollflächig kleben.

6. PVC VERKLEBEN

SCHRITT 1:

Legen Sie den PVC-Belag grob passend zugeschnitten im Verlegeraum flach aus. Den Überstand an den Wänden und Ecken können Sie einschneiden. Das verbessert die plane Lage des Kunststoffs. So bleibt der Belag über Nacht liegen, um sich an die „neue Form“ zu gewöhnen.

Hinweis:Bei mehreren Bahnen achten Sie unbedingt auf die vom Hersteller vorgesehene Musterung (Rapport). Legen Sie die Bahnen entsprechend versetzt an, fixieren Sie sie gegen Verschieben mit Klebeband oder Gewichten. Für das saubere Zuschneiden die Bahnen mustergerecht überlappen, eine (Stahl-)Schiene unterlegen und beide Bahnen zugleich mit dem Teppichmesser an der Schnittkante durchschneiden.

SCHRITT 2:

Am nächsten Tag erfolgt die finale Verklebung. Achten Sie auf die Gebrauchshinweise auf der Kleberverpackung. Am besten eignen sich lösemittelfreie Dispersionskleber. Beginnen Sie an einer Stirnseite. Der Belag wird bis zur Raummitte zurückgeschlagen. Dann den Kleber entsprechend der Gebrauchsanweisung mit einem für den jeweiligen Kleber empfohlenen Zahnspachtel vollflächig auf dem Boden verteilen. Kleber ablüften lassen und das PVC passgenau auf dem Klebebett platzieren.

SCHRITT 3:

Überstände am Rand und den Wänden danach wie folgt abschneiden: Den PVC-Belag mit der Rückseite eines Hammers fest in die Kanten hineindrücken und ihn entlang der Knickfalte mit dem Teppichmesser abschneiden. Besonders passgenau gelingt dies, wenn Sie eine Metallschiene in die Kante drücken und das Messer an der Schiene entlangführen.

SCHRITT 4:

Nun können Sie die zweite Raumhälfte in Angriff nehmen. Den Belag wieder bis zur Mitte zurückfalten, Kleber auftragen, Belag ankleben, Ränder und Kanten sauber abschneiden. Bei zwei und mehr Bahnen verkleben Sie eine Bahn immer komplett durch, bevor Sie die nächste Bahn beginnen. An den Nahtstellen muss der Kleber lückenlos sein. Notfalls die erste Bahn leicht anheben und nochmals Kleber auftragen. Die neue Bahn muss exakt nach Musterung/Rapport und spaltenfrei angelegt werden (deshalb vorher wie beschrieben parallel überlappend zuschneiden). Die Verbindungsnähte bekommen Sie übrigens mit einem Kaltschweißmittel wasserdicht. Und sollten sich bei noch nicht getrocknetem Kleber kleine Beulen bilden, diese mit einem Gewicht (Wasserkasten etc.) beschweren, bis Kleber und Belag aneinander haften. Nun noch die Sockelleisten an den Rändern und die Übergangsleisten an den Türdurchgängen anbringen.
Fertig.

TIPP 2: LINOLEUM – WIEDER STARK IM KOMMEN

Das gute alte Linoleum aus Großmutters Zeiten erlebt eine Renaissance. Es besteht aus den natürlichen Bestandteilen Leinöl, Korkmehl und Jutegewebe.

  • Ideal für Allergiker.
  • Hemmt Schimmelpilzbildung und Bakterienwachstum.
  • Ist extrem hygienisch.

Zudem ist Linoleum elastisch, sehr widerstandsfähig, schwer entflammbar und resistent gegen viele Chemikalien und Säuren – eine zeitlose und überzeugende Bodenbelag-Alternative zu PVC und alles andere als „vorsintflutlich“.

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