Wände streichen

Mit Farben und Strukturen verbreiten Sie ganz bestimmte Stimmungen und beeinflussen maßgeblich Ausstrahlung und Wohngefühl.

Farben sind dominierende Elemente der Raumgestaltung. Mit Farben und Strukturen verbreiten Sie ganz bestimmte Stimmungen und beeinflussen maßgeblich Ausstrahlung und Wohngefühl. Anders gesagt: Ihre Entscheidung für Farbton, Farbkontraste und Strukturtechniken ist ein gestalterisches Spiel mit festen psychologischen und emotionalen Gesetzmäßigkeiten.

Schon allein deshalb gehört zum Wändestreichen weit mehr als ein simples „Farbrolle eintauchen, an der Wand abrollen, fertig“. Schöne Resultate setzen Grundkenntnisse der Untergrundbehandlung, des richtigen Werkzeugs, der Farbensorte und der korrekten Streichtechnik voraus. Optimal informiert und vorbereitet, werden Sie bei dieser Arbeit vom Handwerker zum Dirigenten Ihres eigenen „Streich“-Orchesters in einem wohlklingenden Konzert aus (Farb-)Tönen und Effekten.

1. HANDWERKLICHES – SCHRITT FÜR SCHRITT

WERKZEUG UND MATERIAL ZUR UNTERGRUNDBEHANDLUNG

  • Malerquast
  • Spachtel
  • Drahtbürste
  • Wasser
  • Tapetenlöser
  • Stachelwalze
  • Spachtelmasse
  • Tiefengrund
  • Fungizid

ZUM STREICHEN:

  • Flachpinsel
  • Heizkörperpinsel
  • Farbwalzen und Farbrollen aus Lammfell und/oder Perlon in unterschiedlichen Stärken und Größen
  • Teleskopstange
  • Streichgitter
  • feuchtes Tuch
  • Leiter
  • Farbe (z.B. Dispersionsfarbe)
  • ggf. Abtönfarbe

Und ganz wichtig: alte Kleidung, Baseball-Kappe, ggf. Schutzbrille beim Deckestreichen

UNTERGRUND VORBEREITEN

Farbe auf Raufaser – die klassische Variante ist längst nicht mehr die einzige Kombination farbenfroher Wandgestaltung. Strukturierter oder glatter Putz, Papierprägetapeten und Vliesfasertapeten liegen als Untergrund stark im Trend.
Wichtig ist, dass Ihre Farbe auf einem glatten, sauberen, staubfreien und saugfähigen Untergrund haftet und vor allem deckt. Flecken oder die alte Farbe dürfen nicht durchscheinen. Je neutraler der Untergrund, desto besser. Neue Raufaser oder frisch verputzte Wände sind optimal.
Notfalls müssen Sie den Untergrund vor dem Anstrich „farbtauglich“ machen, indem Sie

  • Risse und Löcher im Putz mit Spachtelmasse ausgleichen
  • Lose Putzstellen mit Spachtel entfernen und neu verputzen
  • Stark saugenden Gips- und Zementputz und Gipsplatten mit Tiefengrund vorstreichen
  • Sandigen und kreidigen alten Putz mit Tiefengrund vorstreichen
  • Lack- und Latexfarbe mit Drahtbürste aufrauen und vortapezieren
  • Flecken auf dem Untergrund (Wasser, Nikotin, Fett, Rost etc.) mit Isolier-/Absperrfarbe vorstreichen
  • Schimmel mit Fungiziden abtöten
  • Mustertapeten entfernen oder – bei guter Haftung – mit Raufaser übertapezieren; alternativ mit Sperrgrund überstreichen
  • Alte Farbe auf Festigkeit prüfen – bei Abblättern mit Drahtbürste und Spachtel abkratzen
  • Beim Überstreichen alter Farbe mit neuer Farbe Streichtest vornehmen und auf Deckfähigkeit prüfen

ABKLEBEN

Farben färben leider auch Bereiche und Gegenstände, die ganz bestimmt nicht gestrichen werden sollen. Weil sich nie ganz vermeiden lässt, dass Farbtropfen und Farbspritzer Möbel, Teppiche oder Parkett verunreinigen, sollten Sie vor dem Streichen immer

  • Lampen sowie Blenden von Schaltern und Steckdosen abnehmen
  • Fußboden inkl. Leisten mit mitteldicker Folie auslegen und Folie an den Rändern mit Kreppband fixieren
  • Tür- und Fensterrahmen mit Kreppband abkleben; Fensterbänke mit Folie auslegen
  • Möbel ganz aus dem Zimmer entfernen oder von der Wand wegrücken und großzügig mit Folie überdecken
  • Bei Lackfarbe: Zum Abkleben spezielle Lack-Klebebänder verwenden

Einzelne Farbtupfer auf Fensterscheiben und Türen lassen sich schnell mit einem feuchten Tuch abwischen.

WAND UND DECKE STREICHEN

Bei jedem Streichen kommen die Ecken und Kanten zuerst an die Reihe. Arbeiten Sie hier stets mit einem Pinsel, nicht mit der Rolle.
Wird der gesamte Raum gestrichen, beginnen Sie immer mit der Decke, dann erst folgen die Wände. Für die richtige Farbmenge berechnen Sie die Quadratmeter der zu streichenden Flächen, wobei Türen und Fenster schlicht mit in die Berechnung einfließen.

SCHRITT 1:

Mit dem (Heizkörper-) Pinsel werden zunächst die Flächenübergänge Decke/Wände gestrichen. Den Pinsel immer nur ¼ in die Farbe eintauchen, leicht am Streichgitter abstreifen und diese Übergänge zügig und gründlich vorstreichen. Dabei müssen Sie sowohl einen Streifen an der Decke als auch an der Wand streichen.

SCHRITT 2:

Tauchen Sie die Farbwalze in den Farbeimer und rollen Sie sie dann am Streichgitter entlang. So verteilen Sie die Farbe gleichmäßig auf der Rolle und streifen zugleich überschüssige Farbe ab. Dann die Walze auf die Teleskopstange stecken und die Decke streichen: erst in Längs-, dann in Querbahnen („Kreuzgang“). Damit decken Sie normalerweise 100% der Fläche ab. Unregelmäßigkeiten zum Schluss noch einmal längs nachziehen.

SCHRITT 3:

Nun können Sie mit dem Streichen der Wände beginnen. Der Vorgang ist identisch: Zunächst die Ränder der Wände an den Sockelleisten, Türen und Fensterrahmen mit dem Pinsel vorstreichen, anschließend die Flächen mit der Walze in senkrechten waagerechten Bahnen streichen. Zum Schluss erneut in Längsrichtung mit Überlappung der Bahnen nachrollen. Schmale Flächen (Fensterlaibung, Mauervorsprünge, Kaminvorsprünge etc.) werden mit entsprechend kleinen Rollen gestrichen.
Wichtig: Der Farbauftrag per Rolle muss erfolgen, solange die vorgestrichenen Streifen noch feucht sind. Führen Sie die Walze gleichmäßig, ruhig und ohne Zwischenstopp. Der Weg sollte nicht zu kurz sein, sonst wird der Farbauftrag stellenweise zu dick. Ist er zu lang, deckt die Farbe auf dem letzten Stück nicht mehr.

SCHRITT 4:

Bei Dispersionsfarbe können Sie Pinsel, Rollen, Walzen und Streichgitter nach der Arbeit einfach mit lauwarmem Wasser gründlich auswaschen.

2. KLEINE FARBENKUNDE

Dispersionsfarbe
Die meistverwendete Standardfarbe für Innenräume: wasserlöslich, lösemittelfrei, geruchsneutral, fleckenbeständig und abwaschbar. Dispersionsfarbe deckt hervorragend, lässt sich besonders gleichmäßig auftragen, optimal mit Abtön- oder Volltonfarbe mischen und trocknet schnell. Achten Sie jedoch auf gute Qualität und einen hohen Bindemittelanteil.
Deko- und Lasurfarbe
Eine durchsichtige, transparente Dekorationsfarbe mit Anteilen von Farbpigmenten und Farbstoffen zum Auftragen auf (Dispersions-) Wandfarbe. Dies kann punktuell oder flächendeckend mit der Rolle geschehen und ergibt traumhaft wirkungsvolle Effekte. Lasurfarben basieren auf Kunststoffdispersion, Lasurlacke auf matten, seidenglänzenden oder glänzenden Lacken.
Strukturfarbe
Die Alternative zur Raufasertapete ist mit feinem Quarzsand durchsetzt und ergibt beim Aufstreichen auf einen glatten Putz oder einer Gipsfaserplatte automatisch eine lebendige Oberflächenstruktur. Zudem kann sie aufgrund ihrer Konsistenz kleine Risse und Unebenheiten ohne Vorspachteln ausgleichen.
Isolier- und Absperrfarbe
Sollen Flecken von Schmutz, Nikotin oder Wasser nicht später durchscheinen, hilft ein Voranstrich mit einer Isolier- oder Absperrfarbe. Sie wird vor dem eigentlichen Anstrich auf die Stellen aufgestrichen und verdeckt sie zuverlässig. Gelegentlich wird sogar empfohlen, Isolierfarbe auf die sehr gut haftende Mustertapete zu streichen, bevor diese mit Dispersionsfarbe überstrichen wird – das erspart das mühsame Entfernen der Mustertapete.

TIPP: STREICHTIPPS

Bei neu tapezierter Raufaser und frisch angebrachtem Putz kann es sein, dass der erste Anstrich nicht hundertprozentig deckend ist und nach dem Trocknen dunkle Flecken auftauchen. Hier ist ein zweiter Anstrich notwendig.
Das gilt auch für alle Anstriche auf farbiger Grundlage.
Einen Grundanstrich können Sie übrigens mit 10% Wasser verdünnen – das spart teure Farbe
Anfeuchten der Rolle vor dem Streichen erleichtert den Arbeitsbeginn.
Stimmt Ihr Rhythmus beim Abrollen? Starkes Spritzen bedeutet: Sie sind zu schnell. Fallen dicke Tropfen von der Rolle, sind Sie zu langsam oder haben nicht genügend Farbe am Streichgitter abgerollt.
Bilden sich Flecken und Unregelmäßigkeiten, haben Sie die Fläche nicht gleichmäßig deckend gestrichen. Der Streich Kreuzgang Längs-Quer-Längs sollte das verhindern.
Das Kreppband immer abziehen, solange die Farbe noch nicht getrocknet ist. Sie könnte sonst am Kleberand leicht absplittern.
Werden in einem Raum verschiedene Farbtöne verwendet (von Decke zu Wand oder von Wand zu Wand), haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder die neue Wand einen kleinen Streifen mit anstreichen und diesen dann später überpinseln (geht nur, wenn Farbe zwei Farbe eins tatsächlich überdeckt, z.B. dunkel auf hell).
  2. Erste Farbe sauber streichen, trocknen lassen, Kanten mit Kreppband exakt abkleben und mit dem Pinsel die zweite Farbe bis an das Kreppband vorstreichen.

3. FARBEN MACHEN RÄUME

Farbton, Farbstrukturen, Farbkombinationen, Farbkontraste – zusammen mit der Einrichtung und der Dekoration können Farben Räume verändern, gezielt Stimmungen hervorrufen und die Wahrnehmung des Raumes beeinflussen.

  • Helle Ton-in-Ton-Räume mit dezenten Farbabstufungen wirken harmonisch und soft.
  • Starke Farbkontraste können anregen, aber auch provozieren.
  • Lasuren lassen Farbtöne nuancierter erscheinen.
  • Kleine Räume erhalten durch helle, kühle Pastelltöne Größe.
  • Große, eher kühle Räume verwandeln sich durch kräftige, warme Farbtöne in gemütliche Zimmer.
  • Niedrige Räume öffnen sich durch abgetönte Wände und helle Decken.
  • Hohe Räume wirken niedriger, wenn Decke und ein oberer Wandstreifen in dunkleren Farbtönen gehalten werden.

Auch die Farbtöne selbst beeinflussen den Raumeindruck. Rot-, Gelb- und Orangetöne strahlen Wärme, Lebendigkeit und Wohlgefühl aus. Blau, Grün und Violett dagegen erinnern an Natur, Ruhe und Entspannung und lassen sonnige Räume kühler wirken.
Dabei gilt: je kräftiger der Farbton, desto dominanter beherrscht er den Raum – was längst nicht immer die beste Entscheidung ist.

Rot ist die typische Signalfarbe. Eine einzelne rote Wand, z.B. im Esszimmer, wirkt stimulierend. Gänzlich rote Zimmer dagegen erinnern bedrohlich an Feuer.

Orange belebt ebenfalls, hellt lichtarme Räume auf und wirkt insgesamt warm und anregend. In pastelligen Tönen besonders beliebt im Wohn- und Kinderzimmer.

Gelb bedeutet Sonne, steht für gute Laune und verbreitet eine fröhliche Stimmung im Kinder – oder Arbeitszimmer sowie in eher dunklen Fluren und Treppenhäusern.

Grün signalisiert Frische, Natur und Gelassenheit. Dabei wirkt sanftes Grün ideal zu Holzmöbeln und Naturstein-Fliesen, z.B. im Wohnzimmer.

Blau – so entspannend wie eine meditative Stunde am Meer. Die richtige Farbe für das Schlafzimmer.

Flieder, Brombeere und Aubergine sind aktuelle Trendfarben, die für Sanftheit, aber auch für Luxus und Moderne stehen.

Und immer wieder strahlendes Weiß – als frische, luftige, aber auch edle und reine Wandfarbe, die jeden Raum erstrahlen lässt und als Neutralfarbe zu praktisch allen Einrichtungen passt.

4. MIT FARBE GESTALTEN

Neben dem „einfachen“ Streichen Ihrer Wände können Sie mit unkomplizierten Hilfsmitteln, viel Fantasie und etwas Geschick noch zahlreiche weitere, überaus dekorative Effekte erzielen.

Wisch-/Schwammtechnik
Mit einem angerauten Effektschwamm wird über die feuchte Farbe gewischt, was ihre Intensität beeinflusst und zu einem abwechslungsreichen Farbenspiel führt. Naturschwämme erzielen einen dezenteren, leicht transparenten Effekt.

Lasurauftrag mit dem Schwamm
Auf die trockene Dispersionsfarbe farbige oder farblose Lasurfarbe mit der Rolle aufstreichen und sofort mit dem Naturschwamm verwischen – oder gleich den Schwamm in die Lasurfarbe tauchen und diese verwischen: eine extrem spannende und originelle Optik entsteht.
Wickeltechnik mit Wandlasur
Zunächst die Dispersionsfarbe mit Lasurfarbe überstreichen. Dann ein feuchtes, sauberes Tuch (z.B. Fensterleder) auf eine Farbwalze aufrollen, die Tuchspitzen mit Lasur benetzen und die umwickelte Walze mehrfach über die feuchte Wand rollen. Damit erzielen Sie eine fein strukturierte, fast dreidimensionale Wirkung.
Effektlack
Farbiger Effektlack in Gold, Silber und anderen Farben wird passend zur Dispersionsfarbe mit einem Naturschwamm in kreisenden Bewegungen aufgetragen – für atemberaubende Effekte.
Effektroller/Effektbürste
Effektroller gibt es in vielen verschiedenen Strukturen. Über die noch feuchte Dispersionsfarbe gerollt, lassen sich schnell und einfach filigrane Strukturen an die Wand zaubern. Mit der Bürste wird kreisförmig über die ebenfalls noch feuchte Farbe gestrichen.

Stempeltechnik
Stempel in allen Größen und Strukturen gibt es fertig zu kaufen. Einfach nach Belieben auf die feuchte Farbe drücken und Ihrer Wand extrem unkompliziert zu einem neuen Look verhelfen.

Schablonen
Was noch vor wenigen Jahren als antiquiert galt, kommt zunehmend wieder in Mode. Kontrastreiche Malereien wie eine Bordüre auf die glatte, gestrichene Wand anzubringen, hat etwas Gemütliches bis hin zum ländlichen Flair.

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