WC selbst einbauen

Kein anderes „Örtchen“ in Haus und Wohnung steht so im Fokus von Hygiene wie die Toilette.

Kein anderes „Örtchen“ in Haus und Wohnung steht so im Fokus von Hygiene wie die Toilette. Darüber hinaus gibt es beim Einbau noch eine Menge mehr zu beachten, zum Beispiel die besonders stabile Montage sowie die Verantwortung für einen angemessenen geringen Wasserverbrauch. Der Einbau selbst ist recht unkompliziert, die Vorüberlegungen dagegen sind durchaus umfassend.

1. VORAB

ENTSCHEIDUNGSHILFEN

Ob beim Austausch Alt gegen Neu oder beim Ersteinbau, vor dem Kauf sollten Sie sich zunächst über einige Grundfragen Gedanken machen.

MODELLE

Prinzipiell können Sie zwischen einem hängenden, an der Wand montierten und somit rundum frei zugänglichen Vorwand-WC oder einem auf dem Boden befestigten Stand-WC wählen.

Ihre Entscheidung hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab.

  1. Die Position des Abflusses gibt die WC-Wahl vor.
    Wandabfluss = Hänge-WC,
    Bodenabfluss = Stand-WC
  2. Die Stabilität der Wand für ein Vorwand-WC. Grundsätzlich lässt sich aber bei Nutzung entsprechender Spezialhalterungen an nahezu jeder Wand ein hängendes WC montieren.

Als WC-Beckenform stehen Flach- und Tiefspüler zur Verfügung.

Flachspüler gehören eher in die Kategorie „alter Typ“, da Ausscheidungen auf dem Podest liegen bleiben, was vielen Menschen unangenehm ist. Und auch das Reinigen dieses WC-Typs erfordert mehr Aufwand.

Tiefspüler dagegen sind natürlich vorteilhafter z.B. hinsichtlich Geruchsintensität und Sauberkeit des WC-Beckens, weil Ausscheidungen gleich in das stehende Siphonwasser geleitet werden. Muss aus medizinischen Gründen eine Stuhlkontrolle erfolgen, ist dies hier jedoch schwieriger.

Aus hygienischer Sicht besteht zwischen beiden kein Unterschied. Regelmäßiges, antibakterielles Reinigen ist bei jeder Toilette oberste Pflicht.

TIPP 1: WASSER SPAREN

  • Alte, große und nicht regulierbare Spülkästen verbrauchen pro WC-Nutzung – ob im Einzelfall erforderlich oder nicht – pauschal bis zu 10 Liter und mehr Wasser.
  • Dank spezieller Nachrüst-Sets lässt sich die Wassermenge mithilfe einer von oben zugänglichen Stellschraube jedoch kostensparend reduzieren.
  • Moderne Alternativen verfügen entweder gleich über eine spezielle Spartaste, um beim Abspülen von Urin entsprechend wenig Wasser zu verbrauchen oder über Systeme, die das Wasser nur so lange fließen lassen, wie die Spültaste gedrückt bleibt.
  • Auf diese Weise kann eine vierköpfige Familie im Jahr mehrere Hundert Liter Wasser sparen.

SPÜLKASTEN

Bei einem Neubau können Sie sich für eine ästhetisch moderne Integration des Spülkastens in die Wand oder für einen klassischen Vorwand-Spülkasten entscheiden.
Bedenken Sie: Die Kombination Hänge-WC und Vorwand-Spülkasten wird in den meisten Fällen nicht funktionieren. Denn wenn Sie den Spülkasten nicht in luftiger Höhe anbringen möchten, befindet er sich weit hervorragend genau in Ihrem Rücken, wenn Sie die Toilette sitzend nutzen wollen.
Stand-WCs dagegen werden zumeist in einigem Abstand zur Wand montiert. Der dahinter angebrachte Spülkasten stört demnach nicht.

SONSTIGES

Wie hoch darf das WC sein? Eine schwierige Frage, nicht nur im Kompromiss zwischen erwachsenen Eltern und kleinen Kindern. Auch Menschen mit Behinderungen, Rücken-, Hüft- oder Knieproblemen und alte Menschen können sich nicht mehr problemlos so tief setzen und von dort wieder aufstehen wie junge, gesunde Menschen.
Die Standardhöhe ist zumeist 40 cm. Doch abhängig von Ihrem persönlichen Bedarf kann eine Höhe von 50 cm auf Dauer sehr viel komfortabler sein.
Darüber hinaus sollten Sie einen bestimmten Freiraum rund um das WC einplanen, also etwa 80-90 cm vor der Toilette und mindestens 20 cm an den Seiten.
Das WC-Design sollte schließlich zu Ihrem Badezimmer passen. Deshalb sind nicht nur WC-Becken in vielen verschiedenen Farben und unterschiedlichen Formen erhältlich. Auch mit der Wahl der WC-Brille und des Deckels lassen sich dezente, luxuriöse, bunte, freche oder witzige Akzente setzen.

2. VORWAND-HÄNGE-WC MONTIEREN

Die folgende Beschreibung geht vom Austausch Alt gegen Neu aus und setzt voraus, dass der Spülkasten als Wand einsatzsystem bereits installiert ist.

SCHRITT 1:

Schließen Sie den Hauptwasserhahn und lassen Sie alle Leitungen leerlaufen.
Legen Sie nun das WC so auf ein Tuch auf den Boden, dass die Rückseite gut zugänglich ist. Dann messen Sie in der Wand den Abstand von Ab- und Zulaufende bis zur Oberfläche der Fliesen.

Achtung: Messen Sie nicht vom äußeren Ende der Rohre bzw. Muffe, sondern vom inneren Anfang der Muffe. Bis hierhin müssen Sie das neue Abflussrohr einschieben können.

Montieren Sie dann zunächst die Rohre für Ablauf und Wasserzulauf an der Toiletten-Rückseite und kürzen Sie sie entsprechend der ermittelten Länge mit der Metallsäge. Die Enden werden mit der Feile glatt gefeilt.

SCHRITT 2:

Zusammen mit einem Helfer sollten Sie nun das WC probeweise an die Wand halten und überprüfen, ob sich die Rohre pass- genau einschieben lassen.
Können Sie die alten Wandhalterungen nicht mehr nutzen, richten Sie das WC auf der gewünschten Höhe mit der Wasserwaage aus und markieren Sie die Bohrlöcher mit einem Bleistift.

SCHRITT 3:

WC beiseitestellen und bohren. Hierbei müssen Sie darauf achten, die Steinbohrergröße den mitgelieferten Stockschrauben und Dübeln anzupassen.
Bohren Sie immer in die Fliese und nicht in die Fuge. Stellen Sie die Bohrmaschine nicht auf Schlag ein, solange Sie die Fliese durchbohren und reduzieren Sie zugleich die Drehzahl.
Erst ab dem Mauerwerk können Sie die Drehzahl erhöhen und den Schlaghammer einsetzen.

Um beim Ansetzen der Bohrmaschine nicht auf den Fliesen abzurutschen, kleben Sie die Markierung rundherum mit Kreppband ab.

SCHRITT 4:

Nach dem Bohren werden die Dübel eingesetzt, die Stockschrauben bis zum metrischen Gewinde eingedreht und die am WC befindlichen Rohre mit Dichtungsmasse eingeschmiert.
Dann können Sie das WC gemeinsam mit einem Helfer auf die Stockschrauben schieben (Unterlegscheiben aus Kunststoff nicht vergessen!) und gleichzeitig die Rohrenden in die Wandanschlüsse einführen.

SCHRITT 5:

Sind die Anschlussrohre sorgfältig in die Muffen eingeschoben, wird zunächst das WC mit einem Maul- oder Ringschlüssel fest angeschraubt. Dazu Kunststoff-Unterlegscheiben und Muttern auf die Stockschrauben setzen und die Muttern festdrehen.

Wie bei allen Arbeiten mit Metallschrauben auf Keramik gilt auch hier: Zu festes Anziehen der Muttern kann die Keramik springen lassen!
Zum Schluss mit einer Probespülung die Konstruktion auf ihre Dichtigkeit hin überprüfen und die Abdeckkappen auf die Verschraubung stülpen.

SCHRITT 6:

Nun können Sie WC-Brille und Deckel montieren. Ob dies von unten oder von der WC-Oberseite geschieht, ob mit Haken oder Flügelschrauben, hängt vom Hersteller ab. Achten Sie daher bitte auf die Montageanleitung.

3. STAND-WC UND VORWAND-SPÜLKASTEN MONTIEREN

WERKZEUG UND MATERIAL

  • Bohrmaschine
  • Steinbohrer
  • Ring- oder Maulschlüssel
  • Pumpenzange
  • Schraubendreher
  • Wasserwaage
  • Zollstock
  • Bleistift
  • Metallsäge
  • Feile
  • WC
  • WC-Montageset
  • WC-Brille mit Deckel
  • WC-Ablaufbogen (45 ̊) und Ablaufrohr
  • Dichtungsringe
  • Anschlussrohr aus Weichkupfer für Wasserzulauf
  • Hanf
  • Dichtungspaste
  • Kreppband
  • Dübel
  • Schrauben
  • Kunststoffmanschette
  • Ggf. Eckventil

Im Unterschied zum Hänge-WC müssen Sie das Stand-WC auf dem Boden verankern.

Dafür wird als erstes der 45 ̊ gekrümmte Ablaufbogen auf die Muffe der Bodenabflussöffnung geschoben. Das später auf die Abflussöffnung des WCs gestülpte Bogenende ist Ihr Anhaltspunkt für die Toilettenposition.

Halten Sie die Toilette daran an (denken Sie daran, dass der Bogen noch einige Zentimeter über den Toilettenanschluss gestülpt wird) und zeichnen Sie die Bohrlöcher auf dem Boden auf.

Nun das Toilettenbecken zur Seite stellen, die Bohrlöcher mit dem Steinbohrer bohren, Dübel einfügen, die Toilette platzieren und provisorisch anschrauben.

Dann können Sie den Dichtungsring in den Ablaufbogen einsetzen, diesen fest über den Toilettenabfluss stülpen und das Toilettenbecken am Boden final festschrauben (Kunststoff-Unterlegscheiben nicht vergessen!).

Anschließend wird der aus dem Boden ragende Ablaufbogen mit einer Manschette verkleidet. Fertig.
Was nun noch fehlt, ist die Montage des Spülkastens.
Das Anbringen an der Wand ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Entweder verfügt der Spülkasten auf der Rückseite über eine Einhängevorrichtung oder über Befestigungslöcher, bei denen die Verschraubung von der Innenseite her erfolgt.
Achten Sie bitte auf die jeweilige Montageanleitung.

SCHRITT 1:

Auf jeden Fall müssen Sie zunächst das an einem Ende gekrümmte Spülrohr samt Dichtungsring in die entsprechende Öffnung auf der WC-Rückseite schieben.
Das obere Ende markiert die Position des Spülkastens. Wenn Sie den Kasten nun daran anhalten: Befindet er sich mittig über dem WC? Liegen Eckventil und Wasserzulauf-Anschluss des Kastens halbwegs auf einer Höhe?

SCHRITT 2:

Wenn ja, richten Sie den Spülkasten mit der Wasserwaage aus und markieren Sie dann die Bohrlöcher. Spülkasten beiseitestellen und – ohne Schlag – die Fliese vorsichtig anbohren. Ab dem Mauerwerk können Sie dann mit Schlag und erhöhter Drehzahl die Löcher bohren und die Dübel einsetzen.

SCHRITT 3:

Fixieren Sie den Spülkasten entweder durch Anschrauben oder Einhängen in die zuvor eingedrehten Schrauben und kontrollieren Sie den richtigen Sitz mit der Wasserwaage. Notfalls nachjustieren.

SCHRITT 4:

Nun wird das Spülrohr mithilfe von Dichtkonus und Überwurfmutter fest mit dem Spülkasten-Endstück verbunden. Anschließend können Sie mittels Weichkupferrohr oder flexiblem Anschlussschlauch den Spülkasten-Zulauf mit dem Eckventil verbinden.

Dazu benötigen Sie Überwurfmuttern, Messingscheiben, Konus und Dichtscheiben – jeweils für das dichte Anschließen am Eckventil sowie am Spülkasten-Zulauf – und zwei Maulschlüssel. Probespülung tätigen, Spülkastendeckel aufsetzen, fertig sind WC-und Spülkasten-Montage.

TIPP 2: SPEZIALKONSTRUKTION

Auch nachträglich lassen sich mithilfe spezieller Systeme Hänge-WC und integrierter Spülkasten einbauen, ohne das Mauerwerk zu beschädigen.
Hierbei kommen komplexe Vorwandgestelle aus verzinktem Stahl zum Einsatz, die als Gerüst an der Mauer fixiert werden.
Darin integriert sind nicht nur alle benötigten Anschlüsse. Auch der Unterputz-Spülkasten ist bereits vormontiert. Ebenso sind Halterungen für das Hänge-WC vorhanden. Das Vorwandsystem wird nach Montage und Anschluss aller Bestandteile mit Gipskartonplatten verkleidet. Diese können Sie anschließend mit Tiefengrund streichen, verputzen und mit Fliesen bekleben – fertig ist das neue und moderne Toilettensystem.
Dank der extra schmalen Elemente bildet das Gestell später lediglich einen nur wenig hervorstehenden Kasten, an dem das Hänge-WC stabil und sicher befestigt ist.

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